Ein letztes Mal ist es den Parisern und ihren Besuchern vergönnt, die Blätter der Belles Heures des Jean de France, Herzog von Berry, im Louvre zu bestaunen, bevor sie zur Bindung wieder ins Metropolitan Museum of Art nach New York zurückkehren. Mit den Belles Heures, eines der schönsten uns erhaltenen Beispiele eines illustrierten Stundenbuches, lag dem frommen Besitzer eine Gebets- „Gebrauchsanleitung“ vor. So konnte er, dem Leitfaden folgend, auch außerhalb der institutionellen kirchlichen Andachten Daheim zu jeder Stunde seiner Hingabe zu Gott im Gebet freien Lauf lassen.

Die Brüder Limbourg, Les Très Riches Heures du Duc de Berry: Monat May, um 1412-1416. 22,5 x 13,6 cm. Musée Condé, Chantilly.
Aber wer hat bzw. nimmt sich heute in unserer mehr und mehr weltlich orientierten Gesellschaft noch die Zeit, jede Stunde ernsthaft zu beten? Abgesehen von dem spontanen, in den Alltagsgebrauch übergegangenen und wenig fromm gebrauchten „Gott sei Dank, ist dir nichts passiert“ oder „Bitte, lieber Gott, lass den Zug heut einmal pünktlich sein“, findet sich die Anrede des Herrn eher selten und auch hier fällt es schwer,die ernst gemeinte Bitte zu finden, uns vor Versuchung und dem Bösen zu beschützen.
Ob gläubig oder nicht, Gebetsformeln haben eine Inflation erlebt. Und auch der außerordentlich gute Zustand dieses mittlerweile 600 Jahre alten Stundenbuchs lässt Zweifel aufkommen, dass bereits Jean de France es wirklich regelmäßig benutzte. Auch scheint es ihm und den Illustratoren, den Brüdern Limbourg, nicht wirklich vor Unheil beschützen können, denn sie alle fielen vermutlich der Pest zum Opfer, bevor sie ihr 30stes Lebensjahr erreichten.
Noch knapp zwei Wochen sind die Blätter der Belles Heures des Herzog von Berry im Louvre zu sehen, wenn Sie diese Gelegenheit jedoch verpassen sollten, empfehlen wir Ihnen unser E-Book Set zur Kunst des Mittelalters.
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