Hätten die Verantwortlichen des Wiener Künstlerhauses gewusst, dass noch 150 Jahre nach seiner Geburt ein solches Aufleben um seine Person gemacht wird, hätten sie Gustav Klimt sicherlich mit offenen Armen empfangen und ihm die besten Ausstellungswände in ihrer Galerie angeboten.
Doch die neue Wiener Künstlergeneration, allen voran Klimt, wollte sich den klassischen akademischen Regeln nicht unterwerfen. In ihren Werken wollten sie weder ein Abbild der Natur erzeugen noch auf tradierte Stilrichtungen zurückgreifen. Eine neue Richtung musste her: Kunst sollte keinen bestimmten Zweck erfüllen müssen, sie sollte schön sein, frei sein — Kunst sollte einfach Kunst sein dürfen.
Die künstlerische Selbstfindung war ihr erklärtes Ziel, als Klimt zusammen mit weiteren Künstlern im Jahr 1897 eine neue Künstlervereinigung gründete. Mit der Wiener Secession distanzierten sie sich öffentlich vom Wiener Künstlerhaus und dessen festgefahrenem Kunstverständnis. Schon im folgenden Jahr wurde das Ausstellungshaus nach Entwürfen Joseph Maria Olbrichs erbaut und mit der berühmten vergoldeten Messingkuppel versehen, unterhalb dieser das Motto der neuen Vereinigung in goldenen Lettern angebracht ist: Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit.
Als Gründer einer revolutionären Bewegung, als eine Art Freiheitskämpfer der Kunst, zeigt sich Klimt nach außen hin kämpferisch, seine Kunst hingegen offenbart seine herausragende Fähigkeit in die Welt der Gefühle einzutauchen und diese darzustellen. Eine erotisch angehauchte Sinnlichkeit beherrscht den Großteil seiner Werke. Zurückhaltung in der Wahl der gestalterischen Mittel war dabei für Klimt undenkbar.
Ein großflächiger an byzantinische Ikonendarstellungen erinnernder Goldhintergrund, eine mit bunten Blumen übersäte kleine Rasenfläche am unteren linken Bildrand und auf dieser in der Mitte des Bildes ein eng umschlungenes Liebespaar, eingehüllt in goldene und mit verschiedenen Ornamenten verzierte Stoffbahnen — was wie reiner Kitsch klingt, ist heute Klimts bekanntestes Werk und mit Sicherheit eines der berühmtesten und beliebtesten Kunstmotive weltweit.
Der Kuss von 1908 fasziniert jedoch nicht nur durch den verschwenderischen Gebrauch der künstlerischen Mittel warme, gold-untermischte Farben, die Fülle ornamentaler und floraler Muster sondern vor allem durch das dargestellte Genussgefühl der Liebenden. Die Sinnlichkeit des Dargestellten ist so greifbar, dass sie uns unmittelbar berührt und die Gefühle des Paares erahnen lässt.
Bei genauerer Betrachtung lässt sich eine Vielzahl von Andeutungen finden, die dem Dargestellten eine eindeutig sexuelle Symbolkraft verleihen, ohne dabei jedoch die gold schillernde Traumwelt der Liebenden zu negieren. Die Darstellung vereint vielmehr die tiefe Verbundenheit und das körperliche Begehren des Paares.
Welche Andeutungen sich in diesem und in anderen Werken befinden, können Sie noch bis zum 27. August 2012 in der aktuellen Ausstellung „150th Anniversary Celebration“ der Neuen Galerie in New York oder in einem der Bücher des Parkstone Verlages über Gustav Klimt herausfinden.
-C. Schmidt
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir vor Beginn meines Studiums nicht selten diese Frage gestellt, wenn ich moderne oder auch zeitgenössische Kunst gesehen habe. „Schwarzes Quadrat auf weißem Grund“, „Blue, Green and Brown“, „Komposition No. V“ oder „Les Demoiselles d’Avignon“ waren mir suspekt.
Ja, ich musste erst lernen, Bilder zu betrachten, mich mit Ihnen auseinanderzusetzen ohne dabei zu fragen „Was will mir der Künstler damit sagen?“ Ich muss nicht alles verstehen, muss nicht alles hinterfragen, aber ich muss mir die Zeit nehmen, bestimmte Einzelheiten näher zu betrachten und vielleicht sogar einen Zusammenhang zu finden, der mir einen Zugang zu dem Bild verschafft, der meine Begeisterung weckt.
Bei Picasso fiel das leichter als ursprünglich erwartet. Seine Rezeptionsquellen finden sich in der antiken Skulptur, in Stichen von Rembrandt und Arbeiten von Goya. Farbphasen, Mythologie und die Auseinandersetzung mit der Perspektive kennzeichnen sein Werk.
Ich versuche nicht, einen Picasso zu verstehen, aber ausgehend von dem strukturellen Aufbau des Bildes, von den verschiedenen Farbgebungen, Perspektiven, oder Geometrien im Bildaufbau und zuletzt über die dargestellten Elemente erschließt sich doch ein Teil des Werkes, der Grundtenor wird erkennbar.
Ich benötigte sechs Jahre Studium, einen geduldigen Professor und ein wenig Eigeninitiative, damit Picasso auch für mich zu einem großartigen Künstler avancierte. Mit ein wenig Neugier und Enthusiasmus sollte es Ihnen jedoch in weniger als sechs Jahren gelingen, das Genie des Spaniers zu entdecken. Besuchen Sie noch bis zum 2. September die Ausstellung Picasso Prints – The Vollard Suite im British Museum, nehmen Sie sich die Zeit, Picassos Werke zu betrachten und finden Sie Ihren eigenen Zugang zu seinem Bildwerk. Alternativ und ergänzend finden Sie Picasso auch im praktischen E-Book-Format in einer Ausgabe des Verlages Parkstone International.
Heutzutage muss jeder Biologiestudent einen Tier-Sezierkurs belegen, bei Medizinstudentenist das Sezieren von menschlichen Leichen mehrere Semester lang ein Pflichtprogramm und sogar der interessierte Laie kann seine Anatomiekenntnisse mittels diverser US‐amerikanischer Fernsehserien à la Grey’s Anatomy oder dank Gunther von Hagens Wanderausstellung Körperwelten auch ‚hautnah‘vertiefen. Mit dieser 1995 zum ersten Mal gezeigten Ausstellung menschlicher Plastinate scheint die Jahrhunderte alte Scheu vor dem toten menschlichen Körper verloren und eines der letzten Tabus gebrochen zu sein.
Auf der Suche nach dem in der Natur vermuteten Goldenen Schnitt konnte rund 500 Jahre zuvor auch ein anderer Wissenschaftler vor der Humansektion nicht haltmachen. Für den 1452 geborenen Leonardo da Vinci gab es kaum eine Disziplin, die ihn nicht interessierte. Er befasste sich nicht nur mit Mathematik, Geometrie, Botanik, Geologie und Astronomie, sondern vor allem anderen studierte er auch die Anatomie. Seine Beobachtungen undGedanken ergänzte er durch detaillierte Zeichnungen. Rund 7000 dieser Notizbuchseiten sind erhalten geblieben. Sein intensives Naturstudium, seine akribischen Aufzeichnungen und seine analytische Begabung machten ihn zu einem Pionier auf dem Gebiet der modernen wissenschaftlichen Illustration.
Während die Humansektion wie schon Jahrhunderte zuvor auch noch zu Lebzeiten da Vincis als religiöser Tabubruch galt, zerlegte dieser unter schwierigsten Umständen nicht nur tierische, sondern auch menschliche Relikte in ihre Einzelheiten und studierte den Aufbau des Körpers ‚Stück für Stück‘. Durch dieses andauernde Studium und seine große künstlerische Begabung erreichten seine Skizzen eine wissenschaftliche Genauigkeit, die dem direkten Vergleich mit von Hagens menschlichen Plastinaten durchaus standhalten kann. Leonardo da Vinci war ohne Frage talentiert, aber ohne seinen unstillbaren Wissensdurst und sein obligatorisches Notizbuch wäre er nie zu dem genialen Universalgelehrten par exellence und einem der bedeutendsten Künstler der Renaissance geworden.
Welch anderer Künstler hat sich schon freiwillig nachts auf Friedhöfen herumgetrieben und Leichen gesucht, um diese zu sezieren? Den Plan, seine Beobachtungen und Skizzen in einer Abhandlung über Anatomie zu veröffentlichen, konnte er nicht mehr in die Tat umsetzen. Mit seinem Tod im Jahre 1519 hinterließ er eine außergewöhnliche Anzahl an Aufzeichnungen, die heute zu den größten Schätzen der Royal Collection gehören. Eine Auswahl dieser Kostbarkeiten wird noch bis zum 07. Oktober 2012 in der Ausstellung Leonardo da Vinci: Anatomist in der Queens Gallery im Buckingham Palace gezeigt. Es ist die bisher größte Ausstellung, die ausschließlich da Vincis‘ Studien des menschlichen Körpersgewidmet ist.
Aber natürlich hat da Vinci weit mehr zu bieten als anatomische Skizzen. Einen umfangreichen und immer wieder nachlesbaren Einblick in das Leben und Werk des Künstlers erlangen Sie in digitaler oder gedruckter Formmit den Büchern des Parkstone-Verlages: Leonardo da Vinci: Künstler, Denker und Wissenschaftler oder Leonardo da Vinci.
-C. Schmidt
Edward Hopper – bei keinem anderen Künstler bin ich lieber Voyeur. Des Nachts findet sich irgendwo ein hell beleuchtetes Büro oder Zimmer, in das ein Fenster Einblick gewährt. Eine alltägliche, meist banale Szene spielt sich ab, Kommunikation fehlt häufig ganz. Dennoch lassen mich diese Szenen verweilen, eine ungewohnte Intimität lässt mich näher an das Werk herantreten – und doch werde ich auf Distanz gehalten.
Ebenso finden sich Szenen, die dem Betrachter suggerieren, sich im selben Zimmer oder Nebenzimmer zu befinden, den Blick auf eine auf ihrem Bett sitzende oder am Fenster stehende (mitunter nackte) Frau freigebend. Räumlich fast involviert, werden wir jedoch auch hier wieder auf Distanz gehalten und in die Rolle des Voyeurs gedrängt. Mit Hilfe von Komposition und Lichtführung gelingt es Hopper, die für ihn typische Intimität der Einsamkeit zu erzeugen.
Hopper gilt als der große amerikanische Chronist, der die Isolation und Einsamkeit des modernen Menschen in einer Welt der Urbanisierung wiedergibt, und er versteht es, eine ganz eigene, manchmal auch melancholische Stimmung zu erzeugen. Karge Räume, menschenleere Landschaften, Bahngleise, Straßenansichten, Cafés, Tankstellen, Leuchttürme und vieles mehr begegnen uns immer wieder, und immer wieder sind wir Voyeur, suchen nach einer Geschichte und vermissen ein wenig die Kommunikation. Von diesen Darstellungen inspiriert, finden sich wenig später in den Filmen Alfred Hitchcocks (Psycho) verschiedene Gemälde Hoppers rezipiert.
Seien Sie Voyeur! – Und verfolgen Sie thematisch und chronologisch den Werdegang des Künstlers noch bis zum 16. September 2012 im Museo Thyssen-Bornemisza in der größten je in Europa gezeigten Hopper-Ausstellung. Alternativ genießen Sie die Inszenierung der Einsamkeit auch zu Hause mit dem neuen E-Book oder der gedruckten Ausgabe aus dem Parkstone-Verlag.
Wer kennt das nicht, zum Familiengeburtstag wird das „gute“ Geschirr rausgeholt und zum Kaffeeklatsch und -Tratsch bei der Großmutter stehen die teuren Sammeltassen auf dem Tisch? Die Unterscheidung zwischen Alltagsgeschirr und „gutem“ Porzellan wird zum einen über den materiellen und zum anderen über den emotionalen Wert, den das jeweilige Service für den Besitzer hat, entschieden. In jedem Fall handelt es sich aber um einen Gebrauchsgegenstand, der dem Anlass entsprechend „gebraucht“ wird.
Während ich diese Tradition des „guten“ Geschirrs unglaublich genieße, kann ich die Faszination für Porzellan als Kunstobjekt mitunter nur schwer nachzuvollziehen. Ein an der Wand hängender Teller ist für mich genauso suspekt wie ein WC im Museum, wobei Duchamps „La Fontaine“ zumindest ein Statement, eine Theorie und Bewegung provozierte.
Aber lassen wir uns doch ins 18. Jahrhundert zurück versetzen und versuchen dort zumindest die Faszination für chinesisches Porzellan, eines der Importschlager unter den Luxusgütern, zu entdecken. In bunten Farben strahlen uns die Drachen, Kraniche und Blumen entgegen, Kampfszenen, Landschaften und ganze Geschichten sind unglaublich filigran ausgeführt und technisch gesehen definitiv eine Meisterleistung. Die Vasen, Teller und Teeservice sind Kunst (-Handwerk), bleiben für mich aber immer noch Gebrauchsgegenstände. Vielleicht eroberten sie sich ihren Platz auf den Kaminsimsen und Konsolen in der Zeit Friedrich II. aufgrund der doch recht schweren Beschaffbarkeit, denn Handelsabkommen und Reisezeiten von bis zu zwei Jahren waren notwendig, um das kostbare Gut aus Asien nach Emden zu verschiffen. Rarität und Preis bestimmten den Prestigewert, denn die Motive waren eher zweitrangig – anhand von kollorierten Malvorlagen wurden in China auch europäische Wünsche erfüllt.
So zeigt die Ausstellung China und Preußen. Porzellan und Tee, die in die Veranstaltungsreihe Kunst –König – Aufklärung eingebettet ist, noch bis zum Ende des Jahres eine Auswahl eines von Friedrich II. bestellten Porzellanservices und veranschaulicht zudem die Handelsbeziehungen zwischen China und Preußen. Zeitgenösische Unterstüzung bekommen die Exponate von einer Installation des Künstlers Ai Weiwei. Im Musée du quai Branly können Sie sich derweil in der Ausstellung Les séductions du palais : cuisiner et manger en Chine von der Tradition der Chinesischen Küche und den Essgewohnheiten inspirieren lassen und auch hier eine Auswahl kostbaren Porzellans bewundern.
Wer sich vorab einen Überblick über die verschiedenen Stile des chinesischen Porzellans verschaffen, oder einfch nur die asiatischen Motive genießen möchte, kann sich mit dem wunderschön illustrierten Buch Chinese Porcelain von Parkstone ein kleines Stück „gutes“ Geschirr nach Hause holen.
Das, was heutzutage als eine altmodische Form der Annäherung an das andere Geschlecht eher belächelt wird, war zu Lebzeiten Pierre-Auguste Renoirs mit dem Paartanz wie Polka oder Walzer, um nur zwei zu nennen, bei gesellschaftlichen Anlässen aller Art der Standard und eine beliebte Beschäftigung im Ballsaal oder im Freien. Renoir bildet in vielen seiner Werke die lebensbejahenden Seiten des Lebens ab, fröhliche gesellschaftliche Zusammenkünfte, das anmutige Zusammenspiel der Tanzenden – Harmonie und Lebensfreude tauchen in vielen seinerGemälde als Grundmotive auf.
Zum ersten Mal seit über 25 Jahren sind die drei etwa zwei Meter hohen Gemälde der tanzenden Paare Renoirs Tanz in Bougival, Tanz auf dem Land und Tanz in der Stadt wieder im Museum of Fine Arts in Boston in einer Ausstellung vereint. Das erste Gemälde gehört dem Bostoner Museum, die beiden anderen sind Leihgaben des Musée d’Orsay in Paris.
Seine Lehre als Porzellanmaler zeigt sich in seiner detaillierten Ausführung der Gesichter und der Kleidung, während der in impressionistischer Manier mit raschen, rhythmischen Pinselstrichen und hellen Farben gemalte Hintergrund einem Farbspiel aus Licht- und Schatten gleicht. Durch den verwischten Hintergrund rücken die tanzenden Paare in den Vordergrund. Herausgehoben aus Zeit und Raum genießen die nahezu die gesamte Fläche des Gemäldes einnehmenden und damit fast lebensgroßen Paare ihre Zweisamkeit.
Besonders auf den beiden Gemälden der tanzenden Landbevölkerung herrscht eine entspannte und harmonische Atmosphäre, während die elegant gekleideten städtischen Tänzer passend zu der Atmosphäre des Salons eine gewisse Zurückhaltung pflegen.
Die Gemälde wirken wie Zeugen einer fröhlichen sorgenfreien Zeit und spiegeln eine Form des Amüsements und der sommerlichen Freizeitidyllen wider. Zur Entstehungszeit der Gemälde lag der Preußisch-Französische Krieg bereits mehr als 10 Jahre zurück, die französische Republik schien stabil und die Industrialisierung Frankreichs leitete einen Wirtschaftsaufschwung ein.
Die Leichtigkeit und Heiterkeit der Gemälde können wir auch heute in unstabilen wirtschaftlichen Zeiten als Ablenkung gut gebrauchen. Die Gemälde sind wie eine rosarote Brille, die alles Negative zu filtern vermag und beim Betrachter ein unbeschwertes leichtes Gefühl hinterlässt.
Die Ausstellung „Dancing with Renoir” des Museums of Fine Arts in Boston zeigt die drei Gemälde noch bis zum 3. September. Wenn Sie es nicht nach Boston schaffen, können Sie sich Renoir auch als E-Book mit einer großen Auswahl seiner beeindruckenden impressionistischen Gemälden nach Hause holen.
-C. Schmidt
Liebe, Angst, Trauer, Freude und Lust sind Gefühle, mit denen wohl jeder schon einmal konfrontiert worden ist. Resultierend aus Emotionen, die wiederum eine Folge aus verschiedenen im Körper ablaufenden chemischen Reaktionen sind, die dann im Gehirn zu einem dieser Gefühle verarbeitet werden und anschließend in der Kontraktion verschiedener, die Gestik und Mimik beeinflussender Muskeln für unsere Umwelt sichtbar werden.
Die Rationalität eines Gefühls und seiner Entstehung erscheint in der Selbsterfahrung jedoch häufig irrational, und so ist es auch für den Menschenkenner nicht immer ein Leichtes, verschiedene Gefühlsregungen seines Gegenüber richtig zu deuten. Das mit oder über jemanden Lachen, kann ähnlich missverstanden werden wie das Weinen vor Freude, Wut oder Trauer.
Während die Deutung der Gestik und Mimik eines Gegenüber mitunter schon schwierig sein kann, sehen wir uns ebenso mit dem Versuch konfrontiert, die Empfindungen einer Mona Lisa, eines Pygmalion oder einer geraubten Europa, gelegentlich fast verzweifelnd, nachzuempfinden.
Selbst der auf den ersten Blick recht unmissverständlich erscheinende Kuss ist nicht nur Ausdruck der Lust, der puren Leidenschaft oder gar der Liebe, er kann ebenso nur freundschaftlicher Natur sein oder verräterisch.
Besonders faszinierend ist das seit Jahrhunderten sichtbare Interesse der Künstler an der Darstellung der menschlichen Empfindungen, in ihrer Schönheit und gesamten Differenziertheit. Die Herausarbeitung von Gestik und Mimik sowie die Einbettung in eine das Gefühl widerspiegelnde Bildatmosphäre mit flirrenden Farben, dunklen Räumen oder abstrakten Formen geben dem Betrachter die Möglichkeit, die Liebe, Wut, Angst und Freude nachzuvollziehen, garantieren aber nicht immer eine ultimative Antwort. So verlangt auch der romantische Kuss häufig nach der Geschichte der Liebenden, um ihn besser verstehen zu können.
Vielleicht ist es aber gerade diese kleine, bis zuletzt offen gehaltene und übrig bleibende Unklarheit über das Gefühl, die die Magie der Darstellungen ausmacht.
Noch bis zum 12. August 2012 können Sie im schwedischen Nationalmuseum in Stockholm in der Ausstellung Passions – Five Centuries of Art and the Emotions Künstler auf ihrer Entdeckungsreise des menschlichen Gefühls begleiten oder sich mit diesem wunderschön illustrierten Buch Love im handlichen Geschenkformat die Liebe zumindest visuell schon einmal nach Hause holen.
Wenn Sie sich mehr für den physischen Aspekt der Liebe und zwischenmenschlichen Beziehung interessieren, sollten Sie unbedingt einen Blick in unsere Bildbände Erotische Kunst, Encyclopædia Erotica und Das erotische Foto werfen.
Geboren im 18., 19., bzw. 20. Jahrhundert; ein Brite, ein Franzose und ein Amerikaner; Romantiker, Impressionist und abstrakter Expressionist. Drei Maler, die von ihren Grundvoraussetzungen her unterschiedlicher kaum sein könnten, und dennoch scheinen J. M. W. Turner, Claude Monet und Cy Twombly irgendetwas gemeinsam zu haben, das einen Vergleich der Werke ihrer jeweils letzten Schaffensjahre rechtfertigt.
Versuchen wir einmal den riesigen Pulk an Werken ein wenig zu vergessen, die ihren jeweiligen Stil „allgemein“ kennzeichnen und werfen wir ausschließlich einen Blick auf ihre letzten etwa 20 Jahre. So wird vor allem bei Turner die Wandlung des Stils in Richtung einer impressionistischen Malweise erkennbar, die dann wiederum mit der Monets‘ vergleichbar wird. Spätestens jedoch, wenn man die Augen zusammenkneift und mit etwas Fantasie die Bilder betrachtet, sollte sich auch bei dem Nicht-Kunsthistoriker ein Gefühl von Ähnlichkeit einstellen.

J.M.W. Turner, The Rio San Luca alongside the Palazzo Grimani, with the Church of San Luca, um 1840. Gouache, Bleistift und Aquarell auf Papier, 19,1 x 28,1 cm. The Tate Gallery, London.

Claude Monet, San Giorgio Maggiore, 1908. Öl auf Leinwand, 59,2 x 81,2 cm. National Museum Wales, Cardiff.
Aber wie lässt sich Twombly einreihen? Vom Impressionismus scheint er weit entfernt und auch das Augenzusammenkneifen ändert nichts an dieser Feststellung. Als abstrakter Expressionist folgt er Turner und Monet weniger formal als vielmehr in der thematischen Intention, in der Herausforderung traditioneller Darstellungsweisen und dem Versuch die Grenzen der Malerei, und vielleicht auch die eigenen, auszutesten.

Cy Twombly, Quattro Stagioni: Inverno, 1993-1994. Acryl, Öl und Bleistift auf Leinwand, 322,9 x 230 cm. The Tate Gallery, London.
Drei großartige Künstler, die in dieser Kombination noch bis zum 28. Oktober 2012 in der Ausstellung: Turner Monet Twombly: Later Paintings in der Tate Liverpool bewundert werden können. Für diejenigen, die sich nicht nur auf die letzten 20 Jahre Turners und Monets beschränken möchten, gibt es diese wunderschönen Bücher zu ihrem Leben und Werk auch für zu Haus.
Wer kennt sie nicht, die zwei kleinen, rundlichen Engel, die Geschenkboxen, Bettwäsche, Glückwunschkarten, Briefmarken und jeden, eigentlich überflüssigen Kitsch- und Dekoartikel zieren? Und wer von den Konsumenten dieser Artikel weiß wirklich, aus welchem großartigen Kunstwerk diese beiden Putten separiert wurden, um ihr Dasein heute in unseren Wohnzimmern zusammenhangslos und für ein „Oh wie niedlich“ zu fristen?

Raphael, Sixtinische Madonna, 1512-1513. Öl auf Leinwand, 269,5 cm × 201 cm. Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden.
In Raffaels Sixtinischer Madonna sind sie entscheidender Bestandteil der Bildkomposition. Sie halten den Blick des Betrachters im Bild, der über Papst Sixtus zur Madonna mit dem Jesuskind und zur heiligen Barbara führt, die wiederum zu den Putten schaut. Die beiden erwiedern ihren Blick und nehmen den Betrachter in diesem erhabenen Renaissancegemälde gefangen. Die Bildgeometrie und Blickführung bedürfen dieser beiden Engel, um zu funktionieren.
Dennoch sind sie Nebendarsteller in dieser Szenerie, in der Papst Sixtus und die heilige Barbara die Madonna mit dem Kind flankieren. Ursprünglich war das Gemälde an der Rückseite des Hochaltars der Klosterkirche San Sisto in Piacenza gegenüber einem Kruzifix angebracht. Erklärt sich damit der (heute ebenfalls aus dem Zusammenhang gerissene) Blick Marias und der Fingerzeig Sixtus‘ als Vorausdeutung auf die Leiden Christi? Und welche Bedeutung kommt den einem Wolkenschleier gleichenden Himmelsscharen im Hintergrund zu?
Entdecken Sie dieses großartige Meisterwerk der Kunstgeschichte noch bis zum 26. August in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden in der Ausstellung Die Sixtinische Madonna – Raffaels Kultbild wird 500, oder verpacken Sie doch einfach mal unser Raffael im handlichen Print-Format oder als E-Book in einer kleinen Geschenkbox, die zwei Engel zieren, und geben Sie ihnen so ihren Zusammenhang zurück.
Afrika – bei dem Gedanken an diesen Kontinent packt mich die Reiselust. Ägypten, der Nil, die Sahara, Safaris, das bunte Leben Kapstadts, aber auch Elfenbein und Blutdiamanten fallen mir bei meinem spontanen Brainstorming ein. Aber was wissen wir in Europa wirklich über das Leben in Afrika, Traditionen, Rituale, Kunstwerke und deren Bedeutung?
Persönlich verbinde ich mit diesem Kontinent immer auch etwas Mystisches, vor allem mit seinen Urvölkern, ihrer Lebensweise und ihren Medizinmännern. Würde ich mich freiwillig in die Hände eines Schamanen begeben und mich damit seinen mir unbekannten Ritualen hingeben? Wäre der Respekt vor dem Unbekannten, vielleicht auch Angsteinflößendem, nicht größer als die Neugierde? Mit Schamane meine ich hier einen „richtigen“ Schamanen, nicht den Hokuspokus, den man in europäischen „Schamenen-Schulen“ erlernen kann.
In den Urvölkern herrscht eine so immanente Überzeugung, dass diese Schamanen, die sich zwischen der Realität und der spirituellen Welt bewegen, versuchen einen Sinn in das uns umgebende Chaos zu bringen. Sie stehen in mystischer Kommunikation mit dem Übersinnlichen und verneinen die Kraft der Unordnung, Sie heilen Krankheiten und führen Exorzismen durch. Ein jahrhundertelanger Glaube an die Tradition des Schamanismus sollte doch überzeugend genug sein.
Die Fragen nach dem Glauben an und nach dem Vertrauen in diese „Meister des Chaos“ muss wohl jeder für sich selbst beantworten, wenn er einmal die Möglichkeit haben sollte ihnen zu begegnen. Für diejenigen, die bis dahin für die Beantwortung dieser Fragen noch eine Hilfestellung brauchen, zeigt das Museum Quai Branly noch bis zum 29. Juli eine eindrucksvolle und vielseitige Ausstellung mit einem besonderen Blick auf die weltweiten religiösen und kultischen Angehörigen verschiedener heute noch existierender Stämme.
Viele anthropologische Fundstücke werden von Werken zeitgenössischer Künstler begleitet, was die Ausstellung zu einem interessanten Museumserlebnis macht, welches aber mitunter nichts für schwache Nerven ist.
Wenn Sie sich nicht nur für die Maîtres du Désordre interessieren, sondern die afrikanische Kunst in ihrer gesamten Vielfalt kennenlernen möchten, schauen Sie doch mal in Die Kunst Afrikas, ein qualitativ hochwertiges, reich bebildertes Kunstbuch von Parkstone.
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