„Je schreckensvoller diese Welt, desto abstrakter die Kunst“, notierte Paul Klee (1879-1940) ein Jahr nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914-1918) in seinem Tagebuch. „Man verlässt die diesseitige Gegend und baut dafür hinüber in eine Jenseitige, die ganz ja sein darf“.
Zur Entstehungszeit des Bildes Sternennachtbefand sich van Gogh in einer Nervenheilanstalt, das Gemälde ist nicht durch eine tatsächliche Nachtszene inspiriert. Die Farben widersprechen einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung, die kreisförmigen und wellenartigen Formen, die flammenähnlich in den Himmel ragenden Baumkronen, die kleine Ortschaft mit den krummen Häusern und die dahinterliegende unregelmäßige Berglandschaft erzeugen eine chaotische, beunruhigende Dynamik. Ein romantischer, sternenbehangener Nachthimmel? Weit gefehlt!
Sowohl Vincent van Gogh (1853-1890) als auch andere Künstler der Moderne wie etwa Wassily Kandinsky (1866-1944) erlebten schwere Zeiten. Während van Gogh unter Depressionen litt und jahrelang einen inneren Kampf mit sich selbst führte, wurde Kandinsky 1914 für den Kriegsdienst in Russland eingezogen. Ihre Kunst ermöglichte ihnen, sich von der diesseitigen Welt in eine fantastische Traumwelt zu flüchten. In der Zeit des Übergangs vom Postimpressionismus zum Expressionismus wurden die Landschaftsdarstellungen zunehmend symbolischer und die Künstler bedienten sich ihrer, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Das den Impressionisten noch als höchste Inspiration dienende Vorbild der Natur wurde verworfen, dafür rückten subjektive Empfindungen in den Vordergrund. Kandinsky beschränkte seine Kompositionen zunehmend auf flächige Grundformen und nutzte eine begrenzte Palette kontrastreicher Farben.
Den Übergang vom Impressionismus zum Expressionismus veranschaulicht die in Kooperation mit dem Van Gogh-Museum in Amsterdam und dem Ateneum Museum in Helsinki initiierte Ausstellung „Van Gogh to Kandinsky. Symbolist Landscape in Europe 1880-1910“ in den National Galleries of Scotland.
Die sich speziell der symbolistischen Landschaftsmalerei widmende Ausstellung präsentiert noch bis zum 14. Oktober 2012 ein breites Spektrum von poetischen und suggestiven Landschaftsbildern. Gezeigt werden sowohl Werke berühmter Avantgarde-Künstler wie Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky und Edvard Munch als auch weniger bekannter europäischer und skandinavischer Künstler.
Gerade die Gegenüberstellung van Goghs, der als einer der Begründer der Moderne noch dem Post-Impressionismus zugerechnet wird, mit Kandinskys als einem der führenden Vertreter der abstrakten Kunst zeigt deutlich die zunehmende Abstraktion der Kunst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
Vergleichen können Sie die beiden dem Blauen Reiter zuzurechnenden Künstler mit den E-Books Van Gogh und Kandinsky des Verlages Parkstone International auch bequem von zu Hause aus.
-C. Schmidt
Nach Kategorien
Neuste Nachrichten
- 04/03/2018 - Alles, was du dir vorstellen kannst, ist real
- 04/03/2018 - Tout ce qui peut être imaginé est réel
- 04/03/2018 - Everything you can imagine is real
- 04/02/2018 - Als deutsche Soldaten in mein Atelier kamen und mir meine Bilder von Guernica ansahen, fragten sie: ‘Hast du das gemacht?’. Und ich würde sagen: ‘Nein, hast du’.
- 04/02/2018 - Quand les soldats allemands venaient dans mon studio et regardaient mes photos de Guernica, ils me demandaient: ‘As-tu fait ça?’. Et je dirais: “Non, vous l’avez fait.”
