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Caravaggio und Pasolini: Verwandte Seelen
09 Aug 2012

Caravaggio und Pasolini: Verwandte Seelen

Als bedeutende Unruhestifter ihrer Zeit werden der italienische Filmregisseur Pier Paolo Pasolini und der italienische Maler Caravaggio, sowohl in persönlicher als auch in beruflicher Hinsicht häufig miteinander verglichen. Aber was genau rechtfertigt einen solchen Vergleich?

Caravaggios Kunst besticht durch ihr außergewöhnliches Lichtkonzept: einem Scheinwerfer gleich werden dramatische Hell-Dunkel-Kontraste erzeugt, die die Figuren, ihre Mimik und Gestik lebendig wirken lassen und jedes noch so intime Makel offenbaren. Durch seine Lichteffekte besitzen seine Gemälde eine für damalige Verhältnisse nahezu erschreckende Lebensähnlichkeit. Pasolini, wegen seiner extremen politischen Ansichten zu seinen Lebzeiten ebenso missverstanden, produzierte einige der schockierendsten Filme des 20. Jahrhunderts.

Revolutionär, homosexuell und durchaus gewillt Aufmerksamkeit zu erregen – die unheimliche Ähnlichkeit ihrer Herkunft (die bei beiden größtenteils auf Vermutungen basiert) beeinflusste vermutlich ihre düster wirkenden Szenen und die starke, provokative Ausprägung ihrer Arbeiten, auf die mit genauso viel Verachtung reagiert wurde.

Ein Vergleich von Caravaggios Kunst (als Kunst im engeren Sinn) und den Filmen Pasolinis, liefert durchaus mehrdeutige Interpretationen, die typische dramatische Beleuchtung beider Künstler ist jedoch ein unbestreitbarer gemeinsamer Nenner, was die Gegenüberstellung des Screenshots von Pasolinis Film Teorema (1968), links, und Caravaggios Meisterwerk Judith und Holofernes (1597 – 1600), rechts, exemplarisch verdeutlicht:

Caravaggio und Pasolini genossen es, sich mit denen zu umgeben, die aus der Gesellschaft ausgeschlossen wurden und wählten gerade diese oft als Modelle für ihre Arbeiten aus. Anders als seine Zeitgenossen und für die Zeit undenkbar, nutzte Caravaggio regelmäßig ‚gewöhnliche‘ Menschen als historische, religiöse oder wohlhabende Figuren, so zum Beispiel bei seinem Gemälde Schlafender Amor (1608), das einen kleinen schlafenden Jungen ausgestattet mit den typischen Attributen des Liebesgottes zeigt (siehe unten).

Auch Pasolini bevorzugte arme und dadurch authentische Darsteller aus den ländlichen Teilen Italiens, um die ländlichen Dialekte, statt den Mainstream der italienische Sprache, in seine Filme einzubinden.

Die von Pasolini und Caravaggio verwendeten Techniken beleuchten eine dunkle Seite der Menschheit, eine reale, drastische Seite, dessen Darstellung ganz und gar nicht der gängigen Kulturauffassung ihrer Zeit entsprach. Die Künstler, obwohl 300 Jahre voneinander getrennt, teilten offenbar ein sehr ähnliches Verständnis des menschlichen Daseins.

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