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Die Geschichte zum Bild
11 Dez 2012

Die Geschichte zum Bild

Ein gutes Buch zu lesen, sich in seinen Charakteren zu verlieren, ihnen gedanklich ein physisches Äußeres zu verleihen, Emotionen nachzuvollziehen und sich mit ihnen zu identifizieren, bedeutet, einen Moment der Kurzweil genießen.

Doch was uns bei der Metamorphose der Geschichte in Bilder so einfach fällt, scheint umgekehrt mitunter abwegig. Gemälde und Skulpturen werden betrachtet, für schön befunden oder auch nicht, analysiert und interpretiert, die technische Meisterleistung wird gelobt und Details werden bewundert. Doch in all der mehr oder weniger wissenschaftlichen Auseinandersetzung scheint es absurd, die Kurzweil zu genießen, zum Dargestellten auch eine Geschichte zu erfinden, das Bild aus seiner singulären Stellung als plane kolorierte Leinwand in die Komplexität der Künste und Imagination zu überführen. Wir können ein Kunstwerk analysieren, den Goldenen Schnitt finden oder vielleicht sogar die Intention des Künstlers entschlüsseln, aber wir könnten uns ebenso gut die Zeit nehmen, dieses Werk zu betrachten und ihm eine Geschichte zu geben.

Jan Vermeer (1632-1675) und Pierre-Auguste Renoir (1841-1919) sowie viele andere Künstler verleiten geradezu dazu, sich zu fragen, was Vermeers Mädchen mit dem Perlenohrring (um 1665; Den Haag, Königliche Gemäldegalerie Mauritshuis) dazu bewogen hat, sich noch einmal umzuschauen oder ob sich Renoirs Mädchen im Tanz in Bougival (1883; Boston, Museum of Fine Arts) doch noch küssen lassen wird.

Einer der wohl geeignetesten Künstler für ein solches „Experiment“ ist Edward Hopper. Seine von den Kritikern häufig als Entfremdung des Individuums in der Einsamkeit der Großstadtmetropole charakterisierten Darstellungen bieten der Fantasie aufgrund der minimalistisch ausgestatteten Interieurs, der übersteigerten Lichtregie und der Momentaufnahmen der Figuren einen weiten Spielraum.

 

Edward Hopper, Western Motel, 1957. Öl auf Leinwand, 77,8 x 128,3 cm. Yale University Art Gallery, Bequest of Stephen Carlton Clark, B.A. 1903.

 

Die Dame im Western Motel beispielsweise schaut erwartungsvoll in die Richtung des Betrachters, ihr Koffer ist bereits gepackt, das Auto vorgefahren. Wird sie sich von dem Mann, der nichtsahnend auf dem Zimmer noch im Bett liegt und schläft, verabschieden oder wird sie dem Fahrer des grünen Wagens ihr Gepäck überlassen und wieder in ihren Alltag, in ein Großraumbüro nach New York zurückkehren?

 

Edward Hopper, House by the Railroad, 1925. Öl auf Leinwand, 61 x 73,7 cm. The Museum of Modern Art, New York.

 

Oder was verbirgt sich hinter den halb geöffneten Fensterläden der ersten Etage von Hoppers House by the Railroad? Hitchcock nahm es als Inspiration für seinen Film Psycho.

Schlagen Sie ein Buch auf, fangen Sie an zu lesen und lassen Sie sich in die Geschichte um die Helden und Heldinnen der Erzählung entführen. Zeichnen Sie in ihrem Kopf die Charaktere nach, erwecken Sie sie zum Leben, geben Sie ihnen in Ihren Gedanken Persönlichkeit – aber geben Sie auch den Persönlichkeiten auf der Leinwand Ihre Geschichte.

Verfolgen Sie noch bis zum 28. Januar 2013 im Grand Palais in Paris die Ausstellung Edward Hopper mit all den interessanten wissenschaftlichen Aspekten, die seine Kunst zu bieten hat oder genießen Sie die Kurzweil, wenn Sie zu Hause Ihrer Fantasie mit dem Buch Edward Hopper von Gerry Souter aus dem Verlag Parkstone International freien Lauf lassen.

 

Sünde, Versuchung, Höllenqualen – Die Höllen-Landschaften des Hieronymus Bosch
11 Dez 2012

Sünde, Versuchung, Höllenqualen – Die Höllen-Landschaften des Hieronymus Bosch

Keiner konnte das Böse so gut darstellen wie Hieronymus Bosch (1450- 1516). Seine an Wimmelbücher für Erwachsene erinnernden Darstellungen sind voller Bestien, Anspielungen und Symbole. Symbole werden in der bildenden Kunst zwar bereits seit der Prähistorik verwendet, aber anders als bei Symptomen wie „…wo Rauch ist, ist Feuer“ besteht zwischen dem Symbol und seiner Bedeutung jedoch keine direkte, auf den Symbolgehalt hinweisende Beziehung. Das Symbol besitzt seine bestimmte Bedeutung nur aufgrund von Konventionen. Mit dem Spracherwerb lernen wir im Kindesalter gleichzeitig die Symbolsprache. Am Horizont aufquellende schwarze Wolken stehen für Unglück, die vom Himmel fallende Sternschnuppe hingegen wird mit Glück assoziiert. In unserer Kultur weiß das jedes Kind. Die Kunst fremder Kulturen oder früherer Epochen wirft dagegen oft Fragen auf.

 

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste, 1500-1505. Öl auf Eichenholz, 220 x 389 cm. Museo Nacional del Prado, Madrid.

 

Je nach thematischem, historischem und kulturellem Kontext kann die Bedeutung eines Symbols verblassen oder variieren. So ist uns heute eine Vielzahl der religiösen Symbole nicht mehr geläufig. Da die Symbole der sakralen Kunst jedoch festen Vorgaben folgen, die neben der Personenanzahl und Farbgebung auch die Symbolik betreffen, kann die religiöse Bedeutung allerdings mit der Hilfe eines Symbollexikons schnell aufgeschlüsselt werden. Anders verhält es sich bei Darstellungen Boschs, der seine ganz eigenen Symbolsprache entwickelte. Zwar tauchen in vielen seiner Bilder dieselben Symbole auf, aber Vieles ist und bleibt nicht nur auf den ersten Blick rätselhaft: Warum sitzt beispielsweise auf der Mitteltafel des Triptychons Der Garten der Lüste eine Gruppe Menschen unter einer riesigen Erdbeere und warum steigen andere aus dem See heraus, um dann in ein an einer Seite aufgebrochenes Ei zu kriechen?

 

Hieronymus Bosch, Der Garten der Lüste (Mitteltafel, Details), 1500-1505. Öl auf Eichenholz, 220 x 389 cm. Museo Nacional del Prado, Madrid.

 

Mit dem verbindlichen Kanon der Heiligenattribute kommt man bei Boschs Darstellungen nicht weit. Viele seiner Symbole konnten aber durch den Vergleich seiner Gemälde in ihrer Bedeutung entschlüsselt werden. So könnte die riesige Erdbeere einen Überfluss irdischer Genüsse symbolisieren, der sich für die im Kreis sitzenden in greifbarer Nähe befindet – eine Warnung den allgegenwärtigen Todsünden wie Wollust und Völlerei zu verfallen? Das aufgebrochene, in der Regel als Fruchtbarkeitssymbol geltende Ei wird hier zu einem Zufluchtsort der im wahrsten Sinne des Wortes gestrandeten Sünder, die sich (reumütig?) zurück zum Ursprung begeben. Die Tatsache, dass das Ei zerbrochen ist, kann zudem auf die Unbeständigkeit der weltlichen Freuden hindeuten.

Der Bruch mit traditionellen Bildprogrammen und der individuelle Umgang mit Symbolen führten zur Ausbildung einer Bosch eigenen Symbolsprache und machten ihn zu einem Künstler, der seiner Zeit weit voraus war. Da der Großteil der Symbole ambivalent ist und Bosch keinerlei schriftliche Notizen zu seinen Werken hinterlassen hat, ist die Analyse seiner Arbeiten größtenteils spekulativ. Doch gerade dies macht sein Werk so spannend.

Die aktuelle Ausstellung im Palais de Beaux-Arts de Lille präsentiert noch bis zum 14. Januar 2013 neben Arbeiten Hieronymus Boschs weitere Werke des 16. Jahrhunderts, unter anderem von den flämischen Malerfamilien Bril und Brueghel, von dem flämischen Landschaftsmaler Herri met de Bles (um 1500 – um 1555) und dem flämischen Maler und Zeichner Joachim Patinir (zwischen 1475/80-1524). Das 16. Jahrhundert bescherte der Landschaftsmalerei in den Niederlanden seine erste Blüte. Die flämische Landschaft dieser Epoche wird durch die Auswahl der Gemälde in den Vordergrund gerückt. Anders als auf Boschs von Personen dominierten fantastischen Landschaftsgemälden, rücken die Figuren auf anderen Arbeiten zugunsten der Landschaftsdarstellung nun oft an den Rand der Werke. Die Landschaft kann sich zum ersten Mal als Bildmotiv behaupten, während die dargestellten Personen fast nur noch Staffage sind.

Wer von Boschs höllischen Fantasiewelten nicht genug bekommen kann, dem sei an dieser Stelle das im Verlag Parkstone International erschienene E-Book Bosch empfohlen. Weitere schaurig-schöne Weltuntergangsdarstellungen bietet darüber hinaus der Titel Apokalypse.

http://www.pba-lille.fr/spip.php?article2829

 

-C.Schmidt

Vom Schatten ins Licht – Das Département des Arts de l’Islam
11 Dez 2012

Vom Schatten ins Licht – Das Département des Arts de l’Islam

Paris ohne das Musée du Louvre und das Musée du Louvre ohne sein gläsernes Pyramidendach? Heute unvorstellbar! Über zwanzig Jahre sind vergangen, seitdem der chinesische Architekt Ieoh Ming Pei (*1917) seinen spektakulären Entwurf für den neuen Eingang des Louvre vorstellte, und es ist schwer zu sagen, ob die Mona Lisa oder die 1989 eingeweihte Glas-Stahl-Konstruktion über dem Eingangsbereich heute mehr Besucher anzieht. Sicher ist jedoch, dass die Glaspyramide einen entscheidenen Einfluss auf das Pariser Stadtbild genommen hat.

Dass das Musée du Louvre eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Kunstwerken der islamischen Welt besitzt, ist dagegen weniger bekannt. Für die bereits in Zeiten der Monarchie begonnene Sammlung wurde 2003 eine eigenständige Louvre-Abteilung gegründet, das Département des Arts de l’Islam – nur ein geeigneter Ausstellungsplatz ließ sich nicht finden. Das soll sich nun durch die großflächige gläserne Überdachung des Visconti-Hofes ändern, durch die ein neuer, sich über drei Ebenen erstreckender Ausstellungsraum geschaffen wird.

 

Kelch mit Deckel, Herat, um 1265. Kupfer. Musée du Louvre, Paris.

 

Während damals nicht alle Kritiker den modernen Glasanbau Peis positiv auffnahmen, stoßen die Architekten des neuen gläsernen Anbaus auf viel weniger Gegenwehr –viel zu erfolgreich war die erste Glasüberdachung. Und auch das neue, von den Architektur-Büros Rudy Ricciotti (Marseille) und Mario Bellini (Mailand) entworfene Glasdach ist durchaus vielversprechend: Die nahezu komplette aus 8 000 Stahlrohren und 2 350 gleichschenkligen Dreiecksscheiben bestehende Überdachung des Hofes ist in einem deutlichen Abstand zu den historischen Fassaden gebaut und ruht ausschließlich auf acht schmalen Pfeilern, wodurch das Dach wie ein großes, über dem Hof drapiertes Sonnensegel wirkt.

Am 22. September 2012 wird das neue Département des Arts d’Islam im Hof des Musée du Louvre eröffnet. Die hauseigene Sammlung umfasst rund 14 000 Stücke – darunter Objekte, Teppiche, Textilien, Miniaturen und Architekturkomponenten – und wird durch etwa 3 500 Werke der dekorativen Kunst aus dem Musée des Arts Décoratifs ergänzt. Anhand von 3 000 ausgewählten Objekten aus drei Kontinenten, von denen viele zum ersten Mal gezeigt werden, soll der Reichtum des künstlerischen Schaffens der islamischen Ländern von den Anfängen des Islam im siebten Jahrhundert bis ins frühe neunzehnte Jahrhundert aufgezeigt werden.

Sie interessieren sich für die asiatische Kunst? Weitere Informationen und viele Abbildungen finden Sie in den Büchern Die Kunst Zentralasiens, Die Kunst des Islam und Indische Kunst des Verlags Parkstone-International (wobei die letzten beiden auch als E-Book erhältlich sind).

http://www.louvre.fr/en/new-department-islamic-art

 

-C.Schmidt

Seelisches Fernweh – Van Gogh und der Japonismus
06 Dez 2012

Seelisches Fernweh – Van Gogh und der Japonismus

Es ist kein Geheimnis, dass Vincent van Gogh (1853-1890) nicht in der besten psychischen Verfassung war, jahrelang führte er einen inneren Kampf gegen sich selbst, litt unter Depressionen und Wahnvorstellungen und wurde in eine Nervenheilanstalt eingewiesen. In diesen Zeiten der Qual und teilweise nahe dem Wahnsinn, schuf er einige seiner größten Meisterwerke. Höchst verwunderlich ist darüber hinaus, dass er sich in den 1890er Jahren ausgerechnet einen Künstler zum Vorbild nahm, der gegenteiliger nicht hätte sein können: der im heutigen Tokio geborene gelernte Holzschnittkünstler Utagawa Hiroshige (1797-1858), dessen Kunst wie die traditionelle japanische Kunst im Allgemeinen auf Ruhe, Stärke und inneren Frieden basieren. War van Goghs Faszination für die japanische Kunst vielleicht gleichzeitig ein Versuch, sich selbst zu heilen?

Fest steht, dass van Goghs aufkeimendes Interesse an Hiroshiges Arbeiten zeitlich mit einem schweren Schicksalsschlag zusammen fällt: Obwohl das Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater nicht immer einfach gewesen sein soll, traf es den Künstler doch sehr, als sein Vater im Frühjahr 1885 nach einem Schlaganfall starb. Vermutlich hat er im selben Jahr Arbeiten Hiroshiges bei einem Besuch des Rijksmuseums in Amsterdam studiert.

Hiroshige, Plum Estate, Kameido; aus Einhundert berühmte Ansichten von Edo, 1857. 33,7 x 21,9 cm. The Brooklyn Museum, Brooklyn.

Vincent van Gogh, Japonaiserie: Blühender Pflaumenbaum (nach Hiroshige), 1887. Öl auf Leinwand, 55 x 46 cm. Van Gogh Museum, Amsterdam.

Hiroshige erlernte während seiner Lehrzeit bei Utagawa Toyohiro (1773-1828) die Grundtechniken der traditionellen japanischen Malerei und Druckgrafik. Die Ausbildung beschränkte sich zunächst auf das Nachzeichnen der Arbeiten seines Lehrers und anderer bekannter Holzschnittmeister. Als Hiroshige jedoch nach dem Tod von Utagawa Toyohiro seine Reise zum kaiserlichen Palast in zahlreichen Zeichnungen festhält, nach denen er in den Jahren 1833 und 1834 seine Farbholzschnittsammlung 53 Stationen des Tokaido anfertigte, revolutionierte er den japanischen Holzschnitt: Zum ersten Mal waren das alltägliche Leben, die geschäftigen Straßen und das einfache Volk dargestellt und zum künstlerischen Bildmotiv erhoben.

Ähnlich wie Hiroshige eignete sich van Gogh die Grundlagen des japanischen Stils durch Uki-e, das heißt durch Nachzeichnen seines Vorbildes an. Während er zunächst einzelne Arbeiten und Motive Hiroshiges kopierte, lässt sich der Einfluss nach 1887 in nahezu allen seinen Arbeiten nachweisen.

Vincent van Gogh, Der rote Weingarten in Arles, 1888. Öl auf Leinwand, 75 x 93 cm. The Pushkin State Museum of Fine Arts, Moskau.

Wie sehr Hiroshige van Goghs Kunst beeinflusst hat, können Sie am Besten beim direkten Vergleich der Arbeiten beider Künstler entdecken. Hierzu bietet sich bis zum 17. März 2013 der Besuch der Pinacothèque de Paris an: Unter dem Titel Van Gogh et le Japonisme werden dort zum Einen 40 Werke van Goghs präsentiert, zum Anderen gibt es eine zeitgleich stattfindende Ausstellung zu Hiroshige.

Den Einfluss Hiroshigos auf van Gogh können Sie aber auch sehr gut mit den im Verlag Parkstone International erschienenen Titeln van Gogh und Hiroshige: a hundred views of Edo von zu Hause aus entdecken.

http://www.pinacotheque.com/?id=801

-C.Schmidt

Das Licht am Horizont
06 Dez 2012

Das Licht am Horizont

Viele kennen das seltsame Gefühl, wenn man weit draußen auf dem Meer ist, wenn kein Horizont in Sicht und einfach nichts anderes als Wasser um einen herum ist, Wasser und darüber der grenzenlose Himmel. Die Ferne, die Leere, das Ungewisse mag unter anderen Umständen vielleicht ein Gefühl der Freiheit auslösen, nach einer gewissen Weile jedoch, insbesondere, wenn man nicht weiß, wie weit das Ziel noch entfernt ist, ob man es erreichen wird oder wenn man sich gar in den Weiten des Meeres verloren glaubt, überwiegt das Unbehagen und das Gefühl des Verlorenseins. Wie viel bedeutet es in solchen Momenten, wenn man tief in seinem Inneren weiß, dass man nicht alleine ist und es nie sein wird?

In christlichen Darstellungen ist Gott allgegenwärtig. Der Himmel spielt gerade in Darstellungen des Neuen Testaments eine überaus wichtige Rolle. Nicht nur der Regenbogen, als der neue Bund zwischen Gott und den Menschen, kündet dabei von der Präsenz Gottes – bei Darstellungen des Jüngsten Gerichts bevölkern ganze Engelsscharen das Firmament. Die Wiedergabe des Himmels trägt entscheidend zur Stimmung christlicher Darstellungen bei, ein grau in grau gemaltes Firmament, schwarze Wolken am Horizont oder gar ein sich durch Blitze ankündigendes Gewitter kann nichts Gutes bedeuten und wird als Zorn Gottes gedeutet. Dennoch existieren kaum Darstellungen ohne Licht oder einen Silberstreifen am Horizont, der auf die Allgegenwart Gottes hindeutet und einen Hoffnungsfunken, einen Grund zur Zuversicht symbolisiert. Die religiöse Welt ist stets eine dualistische, dominiert durch den Antagonismus zwischen Licht und Finsternis, der wiederum den Gegensatz zwischen Himmel und Hölle, Gut und Böse bzw. Tugend und Strafe symbolisiert.

 

Nicolas Poussin, Kreuzabnahme, um 1630. Öl auf Leinwand, 119,5 x 99 cm. State Hermitage Museum, St. Petersburg.

 

Auf Poussins Kreuzabnahme befindet sich im linken Bildhintergrund eine große dunkel-schwarze Wolke vor dem grau-gelben Morgenhimmel. Das am Kreuz hängende weiße Grabtuch erzeugt zu dieser einen starken Hell-Dunkel-Kontrast und zurückgerafft wie eine Gardine gibt das weiße Tuch den Blick auf den Morgenhimmel frei. Von der Bildmitte aus nach rechts oben zum Himmel ragend kündigt es gleichzeitig die Auferstehung und die Himmelfahrt Christi an. Selbst in der Darstellung dieses schier unfassbar traurigen Moments wird durch den Hell-Dunkel-Kontrast an die Hoffnung und Zuversicht erinnert, die es stets zu erhalten gilt.

Weitere Himmelsdarstellungen gibt es in der aktuellen Ausstellung Les couleurs du ciel: Peintures des églises de Paris au XVIIe siècle (Die Farben des Himmels: Pariser Kirchengemälde des 17. Jahrhunderts) im Musée Carnavalet in Paris zu entdecken. Noch bis zum 24. Februar 2013 werden rund 120 christliche Gemälde, Zeichnungen und Stiche des 17. Jahrhunderts aus französischen und ausländischen Sammlungen gezeigt.
Im 17. Jahrhundert wurden die klassischen Meister wie Nicolas Poussin (1594-1665) zur Ausschmückung der Kirchen mit Gemälden beauftragt, die zum Teil noch vor Ort zu sehen sind, daher wird zusätzlich zur Ausstellung eine Kirchenführung in den Kirchen Saint-Eustache, Saint-Nicolas-des-Champs und Saint-Joseph-des-Carmes angeboten.

Entdecken Sie die ältesten Museen der französischen Hauptstadt und entdecken Sie bequem von zu Hause mit dem im Verlag Parkstone International erschienenen E-Book Christus in der Kunst den großen Star der christlichen Malerei – seine Geburt, sein ungewöhnliches Leben und sein dramatischer Tod machen ihn zum Hauptakteur religiöser Kunst – keine andere Person wurde in der Kunst häufiger dargestellt als Jesus Christus.

http://carnavalet.paris.fr/fr/expositions/les-couleurs-du-ciel

 

-C.Schmidt

Beute oder Trophäe?
06 Dez 2012

Beute oder Trophäe?

Die Antwort liegt im Auge des Betrachters! Die „Trophäenkommission“ der Roten Armee transportierte nach dem Zweiten Weltkrieg als Entschädigung für die Verwüstungen der Wehrmacht in der Sowjetunion und als Ausgleich für die Verluste eigener Sammlungen deutsche Kunstschätze nach Russland. Ende der 1990er Jahre wurden dann die sich noch im Land befindlichen Trophäen kurzerhand zum Eigentum Russlands erklärt. Nach international gültigen Bestimmungen, die auch Russland anerkannte, ist diese Einbehaltung von Kunstwerken rechtswidrig.

Auf deutscher Seite spricht man hingegen von „Beutekunst“. Damit gemeint ist die kriegsbedingte Verlagerung von Kunstgegenständen – eine zeitlich begrenzte Verlagerung zum Schutz und Erhalt der Werke. Und genau diese in der Begriffsbestimmung implizierte unterschiedliche Auffassung – Trophäe und Beute – lässt Verhandlungen über den zukünftigen Verbleib nahezu stagnieren. Eine Trophäe ist eine (mehr oder weniger) rechtmäßig erworbene Auszeichnung des Siegers, eine Beute in der Definition Diebesgut. Inwiefern diese Debatte noch von kulturhistorischen oder schlicht weg von politischen Intentionen geprägt ist, können vielleicht nur noch die Involvierten mit Bestimmtheit sagen.

Zumindest tauchen nach und nach immer wieder neue, kriegsbedingt verlagerte Stücke in den russischen Depots auf und werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In Zusammenarbeit mit deutschen Institutionen und Wissenschaftlern wird Kunst aufgearbeitet und ausgestellt – ausgestellt in Russland, nicht in Deutschland. Denn einmal über die Grenze gebracht, werden die deutschen Museen ihren Besitzanspruch wieder geltend machen.

George Grosz, Der Agitator, 1928. Öl auf Leinwand, 108 x 81 cm. Stedelijk Museum, Amsterdam.

Kasimir Malewitsch, Aviator, 1913-1914. Öl auf Leinwand, 124 x 64 cm. Staatliches Russisches Museum , St. Petersburg

Doch unabhängig von der die letzten Jahrzehnte bestimmenden Frage nach Beute oder Trophäe gibt es in der deutsch-russischen Geschichte unzählige Verflechtungen, von den Handelsbeziehungen im Mittelalter über dynastische Verbindungen im 18. und 19. Jahrhundert bis zum künstlerischen Austausch in der klassischen Moderne, die für beide Länder Inspiration bedeutet. Die letzten 1000 Jahre dieser gemeinsamen Geschichte, die gegenseitigen Einflüsse und ihre wechselseitigen „Beuten“ und „Trophäen“ präsentiert nach dem Staatlichen Historischen Museum Moskau nun vom 6. Oktober 2012 bis zum 13. Januar 2013 das Neue Museum Berlin in der Ausstellung Russen & Deutsche. 1000 Jahre Kunst, Geschichte und Kultur.

Begeben Sie sich auf eine Reise durch die Geschichte und verfolgen Sie damit eine wirtschaftliche und sozial-geschichtliche Entwicklung sowie die kulturhistorischen Zusammenhänge. Mit den Büchern des Verlages Parkstone-International zur Deutschen Malerei von Klaus H. Carl und zur Russischen Malerei von Peter Leek erhalten Sie einen ersten Einblick in die Meisterwerke der beiden Länder und entdecken im Vergleich die eine oder andere gegenseitige Inspiration.

Die Metamorphose der Skulptur
06 Dez 2012

Die Metamorphose der Skulptur

Ein Kunsthistoriker muss in seinem Leben mindestens zwei Bücher gelesen haben, die Bibel und Ovids Metamorphosen. So oder so ähnlich begann einer meiner Professoren ein Seminar zu den Göttern, Helden, Nymphen und Verwandlungen, denen man in den 15 Büchern der Metamorphosen begegnet. Und es ist doch immer wieder erstaunlich, wie uns diese Geschichten über Jungfrauen verfolgende liebestolle Jünglinge, einen triebgesteuerten Göttervater und seine eifersüchtige Ehefrau, die schöne Mutter des Liebesgottes und den Helden am Scheideweg nicht nur die Welt erklären, sondern uns auch einen wunderbaren Zugang zu den Meisterwerken der Kunstgeschichte gewähren.

Nicht nur in der Malerei, sondern auch in der Bildhauerei ist das Wissen über die griechischen und römischen Mythen in der Auseinandersetzung mit den Kunstwerken essenziell. So auch bei der Betrachtung der Skulpturen Berninis. Wie kaum einem anderen gelingt es ihm, die mythischen Szenen in Marmor zu bannen. Die Dynamik der Verfolgung Daphnes, die zum Schutz vor Apoll von ihrem Vater, dem Flussgott Peneios, in einen Lorbeer verwandelt wird, bannt Bernini in einen einzelnen Moment – der Moment, in dem Apoll Daphne erreicht und ihre Verwandlung beginnt.

 

Gian Lorenzo Bernini, Apollo und Daphne, 1622-1625. Marmor, Höhe: 243 cm. Galleria Borghese, Rom.

 

Doch kann man diese technische Meisterleistung der Bildhauerei trotz ihrer Anmut und Einzigartigkeit nur mit dem Wissen über die Geschichte von Apoll und Daphne verstehen. Um die Erhabenheit dieser barocken Skulptur in ihrer ganzen Herrlichkeit genießen zu können, musste ich die Metamorphosen lesen und bin seitdem immer wieder fasziniert davon, wie sich vor meinen Augen ein Kunstwerk in eine Geschichte verwandelt.

Den Wandel von der Skizze zum Modell und schließlich zur vollendeten Skulptur Berninis können Sie noch bis zum 6. Januar 2013 im Metropolitan Museum of Art in der Ausstellung Bernini – Sculpting in Clay nachverfolgen. Lassen Sie sich entweder in New York in die Welt der Verwandlung innerhalb eines Entstehungsprozesses entführen oder verfolgen Sie die Geschichte der Skulptur von der Antike über die Renaissance und das Barock bis hin zur Moderne mit dem Buch Skulpturen des Verlages Parkstone-International.

La Belle Époque – Eine Hommage auf die Freizeit
05 Dez 2012

La Belle Époque – Eine Hommage auf die Freizeit

Ein gemeinsames Frühstück im Grünen, danach ein Ausritt oder vielleicht eine Kutschfahrt? Zum Mittagessen in eines der schönen Restaurants am Grand Boulevard, dann ein ausgedehnter Schaufensterbummel, ein kurzer Plausch im Café und abends vielleicht ins Theater, in die Oper oder doch lieber zum Ballett?

Eine der großen Neuerungen, die die zweite Welle der Industriellen Revolution in Frankreich mit sich brachte, war die „Freizeit“. Die materielle und politische Absicherung des Bürgertums in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ließ die Menschen der sogenannten Belle Époque optimistisch in die Zukunft blicken. Mit dem Wirtschaftsaufschwung ging auch ein kultureller Aufschwung einher: Neue Cafés, Ateliers, Galerien, Salons und Konzertsäle mit einem vielfältigen kulturellen Freizeitangebot wurden eröffnet.

Auguste Renoir, Der Spaziergang, 1870. Öl auf Leinwand, 80 x 64 cm. J. Paul Getty Museum, Los Angeles.

Édouard Manet, Portrait des Théodore Duret, 1868. Öl auf Leinwand, 43 x 35 cm. Paris, Musée du Petit Palais.

Die bildende Kunst wurde zum Spiegel dieser neuen freizeitlichen Vergnügungen.Wie kaum zuvor rückte der Impressionismus (ca. 1860 – 1900) den Menschen und das alltägliche Leben ins Bildzentrum. Auf Auguste Renoirs (1841-1919) Gemälde Der Spaziergang (1870) wird ein wichtiger Grundsatz der Belle Époque deutlich: Unabhängig von der Art der Freizeitbeschäftigung, sei es ein Opernbesuch oder ein Spaziergang im Wald, war es überaus wichtig, stets gut gekleidet zu sein. Die wohlhabende Oberschicht stellte ihren neuen Reichtum durch die Kleidung oft äußerst großspurig zur Schau. Man ging nicht mehr zum Schneider und ließ sich ein Nullachtfünfzehn-Kleid anfertigen, sondern blätterte zunächst in den zahlreichen Modezeitschriften, um dann bei dem 1845 aus Lincolnshire eingewanderten und schnell berühmt gewordenen „Modeschöpfer“ Charles Frederik Worth (1825- 1895) Schlange zu stehen.

Je nach Ort und Anlass galt es, einen bestimmten Dresscode einzuhalten. Die wallenden, bevorzugt in hellen Farben gehaltenen leichten Sommerkleider waren aufwendig mit Rüschen, Spitzen und Volants besetzt. Die Männer trugen schwarze Sakkos und Krawatte. Ein – bei den Damen mit bunten Bändern und Blumen geschmückter –Sonnenhut und Lederhandschuhe waren bei einem Ausflug aufs Land obligatorisch. Wer mochte, trug einen Stock, einen Fächer oder einen Sonnenschirm mit sich.Neben den einfacheren Kleidern für die Landpartie besaß die gut situierte Oberschicht je nach Anlass mehrere elegantere Stadtkleider. Für den Cafébesuch wurde natürlich nicht dieselbe Kleidung wie für das abendliche Dinner, den Besuch des Opernballs oder der Theaterpremiere getragen. Stock und Zylinder waren nach wie vor für den Mann und der das Gesäß auspolsternde „Cul de Paris“ sowie eine große beutelartige Handtasche für die Frau ein Muss.

Claude Monet (1840-1926), Auguste Renoir (1841-1919) und Edgar Degas (1834-1917) – um nur die drei bekanntesten französischen Vertreter dieser Epoche zu nennen – fingen mit ihren Werken nicht nur zahlreiche flüchtige Augenblicke des modernen gesellschaftlichen Lebens ein, sondern fungierten gleichzeitig als Spiegel der damaligen Modewelt. Unter diesem Blickwinkel sind in der aktuellen Ausstellung L’impressionnisme et la mode im Musée d’Orsay in Paris noch bis zum 20. Januar 2013 neben den impressionistischen Gemälden originale Hüte und historische Kleidungsstücke ausgestellt. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist das von Albert Bartholomé (1848-1928) gemalte Porträt seiner Frau Prospérie (1849-1887) in einem weiß-blau gepunkteten Sommerkleid, das neben dem Gemälde durch eine Glasvitrine geschützt im Original bewundert werden kann. Nähere Informationen über den Impressionismus, seine Geschichte und seine Vertreter finden Sie auch in dem von Parkstone-International herausgegebenen reich bebilderten E-Book Impressionismus.

-C.Schmidt

Andy Warhol – Masse oder Klasse?
16 Nov 2012

Andy Warhol – Masse oder Klasse?

Gestapelte Pizzakartons und zu Pyramiden aufgetürmte leere Bierdosen sich das typische, an Studenten-WGs haftende Klischee – anstelle eines halbwegs akzeptablen Abendessens wird da schnell mal eine Dose geöffnet. Die gestapelten Dosen des Pop-Art-Künstlers Andy Warhols (1928-1987) erinnern jedoch nur auf den ersten Blick an unaufgeräumte Junggesellenbuden, zu akkurat sind die Dosen aufeinandergestapelt, jedes Cover genau dem Betrachter zugedreht.

 

Andy Warhol, 100 Campbell’s Soup Cans, 1962. Kasein, Acryl und Bleistift auf Leinwand, 183,5 × 132,3 cm. Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main.

 

Warhol, der als Begründer und wichtigster Vertreter der in den 1960er Jahren entstandenen Bewegung der Pop-Art gilt, versetzt uns mit seinem Werk 100 Campbell’s Soup Cans in die Welt eines penibel sortierten Supermarktes, vollgepackt mit in Massenproduktion hergestellten Dosensuppen. Der Supermarkt als wichtiger, da häufig aufgesuchter Ort des Großstadtlebens und seine Waren werden nicht nur durch Warhol künstlerisch in Szene gesetzt. Die Pop-Art-Künstler isolieren triviale Alltagsgegenstände und machen sie zu ihren Bildmotiven, entbinden sie so von ihrer Alltäglichkeit und werten sie auf zu Kunst. Durch die Isolation der Alltagsobjekte und die flächige Inszenierung vor einem einfarbigen Hintergrund wirken die Werke steril. Was fehlt sind die Gebrauchsspuren, das natürliche Durcheinander, die Fingerabdrücke, die wir zeit unseres Lebens auf allem hinterlassen.
In dieser Hinsicht erinnern sie an die fotorealistischen Pappwelten des 1964 in München geborenen Bildhauers und Fotografen Thomas Demand, der ähnlich wie Warhol Bilder des kollektiven Gedächtnisses verwendet, die er dann aus Pappe maßstabsgetreu, lebens- oder überlebensgroß nachbaut. Durch eine ausgefeilte Lichttechnik erscheinen die so entstandenen Trugwelten auf seinen Fotografien derart realistisch, dass der Betrachter zwischen „echt“ und Reproduktion kaum noch unterscheiden kann. Nur die fehlenden Gebrauchsspuren und die Menschenleere seiner Interieure lässt den Betrachter misstrauisch werden.

Bei Warhol sind zwar Alltagsgegenstände abgebildet, aber derart verfremdet, dass die Frage nach „echt“ und Reproduktion eindeutig ausfällt: So realistisch insbesondere die Suppendosen aussehen mögen, die starken schwarzen Konturen, die knalligen Farben und die Flächigkeit der Werke erinnern an Comic-Stripes oder Werbeplakate. Seine vielen Porträts gefeierter Persönlichkeiten, wie Marilyn Monroe, Jackie Kennedy und Elvis Presley, wirken geradezu entmenschlicht. Nicht anders als bei Supermarktwaren geht es auch bei den „Celebrities“ um Image und Vermarktung. In einer Welt der Massenware wird neben der Kunst so der Mensch selbst zu einer Ware, die es zu verkaufen gilt. Und als gelernter Werbegrafiker verstand es Warhol, seine Kunst und auch sich selbst gekonnt zu vermarkten. In seinem Atelier, das er „Die Fabrik“ nannte, stellte er unter Mitarbeit mehrerer Gehilfen oft ganze Serien desselben Motives her.

Die Frage, ob sein Werk nun mehr Masse oder Klasse ist, muss jeder für sich selbst beantworten, feststeht aber, dass Warhol die Kunst revolutionierte, indem er immer wieder bewusst auf die Grenze zwischen Kunst und Kommerz anspielte und diese schließlich mit Erfolg untergrub. Denn wer weiß, ob wir ohne Warhols Pionierarbeit heute einen Begriff wie „Werbekunst“ akzeptieren würden.

Obwohl Kunstkritiker bereits seit Jahrzehnten feststellen, dass Warhol einen enormen Einfluss auf die zeitgenössische Kunst ausübt, gab es bisher noch keine Ausstellung, die diesen Einfluss im vollen Umfang aufzeigen konnte. Noch bis zum Ende dieses Jahres ist dies daher das erklärte Ziel der Ausstellung Regarding Warhol: 60 artists, 50 years im The Metropolitan Museum of Art in New York. Rund 45 Werke Warhols sind hier etwa hundert Werken von 60 Künstlern verschiedener Generationen gegenübergestellt und laden zur Spurensuche ein.

Bevor Sie sich aber auf Warhols Spuren begeben, sollten Sie als Vorbereitung einen Blick in den als gedrucktes und digitales Werk erhältlichen Titel Warhol des Verlags Parkstone-International werfen, mit seiner Vielzahl qualitativ hochwertiger Farbabbildungen liefert dieser einen umfangreichen Einblick in das Leben und Werk des Künstlers und hilft Ihnen mit Sicherheit bei der nur individuell zu beantwortenden Frage „Masse oder Klasse?“

http://www.metmuseum.org/exhibitions/listings/2012/regarding-warhol

Vom Werden und Vergehen – Ophelia und die Präraffaeliten
16 Nov 2012

Vom Werden und Vergehen – Ophelia und die Präraffaeliten

Die Szenerie ist malerisch: Ein kleiner, klarer Bach schlängelt sich durch den Wald, eine Weide neigt sich über ihn, am Ufer wachsen Nesseln, Hahnenfuß, Maßliebchen und Kuckucksblumen. Eine junge Frau flechtet Blumenkränze, die sie zum Trocknen an den niedrigen Weidenzweigen aufhängt – doch plötzlich bringt ein falscher Schritt sie aus dem Gleichgewicht, sie strauchelt, findet keinen Halt und fällt ins Wasser. Der Bach, der sich urplötzlich zu einem regelrechten Wildwasserstrom entwickelt, reißt sie in die Tiefe, ihre Kleider saugen sich voll Wasser, die junge Frau schnappt verzweifelt nach Luft, doch ihre Lungen haben sich schon mit Wasser gefüllt, sie ertrinkt elendiglich.

John Everett Millais, Ophelia, 1852. Öl auf Leinwand, 76,2 x 111,8 cm. Tate Britain, London.

Das Gemälde Ophelia des britischen Malers John Everett Millais (1829-1896) zeigt Ophelia kurz vor dem Ertrinken, die junge Frau liegt im Wasser, ihre Arme offen angewinkelt, ihre Hände ragen aus dem Wasser hervor, in der Rechten hält sie den Blumenkranz, ihr Blick ist schockstarr nach oben gerichtet, ihr Mund leicht geöffnet, noch halten ihre aufgeblähten Kleider sie oben. Doch wo bleibt hier die Dramatik? Das Ufer scheint so nah, der Bach nicht wirklich tief, die Frau wirkt jung und sportlich. Warum kämpft sie nicht um ihr Leben?

Millais bleibt bei seiner Darstellung sehr nah an Shakespeares (1564-1616) Tragödie Hamlet. William Shakespeare war für die Mitte des 19. Jahrhunderts in England von den Malern Dante Gabriel Rossetti (1828-1882), William Holman Hunt (1827-1910) und John Everett Millais gegründete Präraffaelitische Bruderschaft (PRB) eine beliebte Quelle. Der von Hamlets Mutter geschilderte Tod Ophelias ereignet sich in Shakespeares Stück nicht auf der Bühne, sondern im „Off“, und damit ohne jegliche Dramatik. Im Stück werden die letzten Minuten Ophelias von Hamlets Mutter Gertrude verblüffend emotionslos geschildert:

Dort, als sie aufklomm, um ihr Laubgewinde
An den gesenkten Ästen aufzuhängen,
Zerbrach ein falscher Zweig, und nieder fielen
Die rankenden Trophäen und sie selbst
Ins weinende Gewässer. Ihre Kleider
Verbreiteten sich weit und trugen sie
Sirenen gleich ein Weilchen noch empor,
Indes sie Stellen alter Weisen sang,
Als ob sie nicht die eigne Not begriffe,
Wie ein Geschöpf, geboren und begabt
Für dieses Element. Doch lange währt’ es nicht,
Bis ihre Kleider, die sich schwer getrunken,
Das arme Kind von ihren Melodien
Hinunterzogen in den schlamm’gen Tod.
(Auszug aus Shakespeares Tragödie Hamlet, 4. Aufzug, 7. Szene)

Ob diese Erzählung der wahren Begebenheit entspricht oder ob es ein vielleicht aus Wahn begangener Suizid oder sogar Mord war, lässt Shakespeare offen. Die Szene umgibt daher etwas Mystisches, Geheimnisvolles. Die detaillierte Wiedergabe der Natur und Ophelias jugendliche Schönheit als Symbole des natürlichen Kreislaufs des Werdens und Vergehens allen Lebens machen das Sujet bei den Präraffaeliten, die das Naturstudium als einzig notwendiges Studium ansahen und sich von den tradierten akademischen Regeln abwandten, so beliebt.

Die aktuelle Ausstellung Pre-Raphaelites: Victorian Avant-Gardeder Tate Britain versammelt über 150 Arbeiten der Präraffaeliten: Gemälde, Skulpturen, Fotografien und auch Werke der angewandten Kunst sind seit dem12. September 2012 und bis zum 13. Januar 2013 zu sehen. Ausführliche Informationen über die Präraffaeliten finden Sie aber auch in dem vom Verlag Parkstone-International herausgegebenen Buch Die Präraffaeliten.

http://www.tate.org.uk/whats-on/tate-britain/exhibition/pre-raphaelites-victorian-avant-garde

http://www.amazon.de/Die-Pr%C3%A4raffaeliten-Robert-Sizeranne/dp/1844845370/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1347439982&sr=8-1

-C.Schmidt

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