Der französische Impressionismus hat viele große Namen hervorgebracht: Bazille, Cézanne, Degas, Gauguin, Manet, Monet, Sisley, Morisot, Pizarro und Renoir, um nur einige zu nennen. Sie alle waren Impressionisten, strebten nach einer Erneuerung der Kunst, waren der Freilichtmalerei verpflichtet und trotz gleicher Ziele war doch jeder für sich einzigartig. Ergänzen Sie der (Un-)Vollständigkeit halber diese Aufzählung noch um einen weiteren Künstler, der in der deutschen Kunstgeschichte erst in den letzten Jahren wirklich Beachtung fand: Gustave Caillebotte (1848-1894).
Der Künstler, der bisher noch mehr Bedeutung als Mäzen und Sammler erlangte und in enger Freundschaft zu Monet, Renoir und Sisley stand, wurde zum ersten Mal 1994 in einer größeren Ausstellung in Paris gewürdigt. Sein Werk ist ohne Zweifel impressionistisch. Doch ist es nicht nur seine Themenwahl, es sind nicht nur die alltäglichen Szenen, die unwillkürlich die Assoziation zum Realismus implizieren. Es ist auch seine fotografische Perspektive, mit der er das Leben in den Cafés, in den Straßen und auf den Pariser Boulevards auf die Leinwand bannt.
Den Stadtansichten stehen Porträts, Interieurs und Landschaften gegenüber, die ebenso zwischen fotografischem Realismus und malerischem Impressionismus balancieren. Der private Raum findet gleichermaßen zur Darstellung wie der öffentliche Raum – und immer wahrt Caillebotte eine gewisse hinreißende Intimität, in der wir uns gern verlieren.

Rue de Paris, temps de pluie (Paris, an einem Regentag), 1877. Öl auf Leinwand, 212,2 x 276,2 cm. Art Institute, Chicago.
Caillebotte: Ein Künstler zwischen Realismus und Impressionismus oder eher zwischen Fotografie und Malerei? Die SCHIRN Kunsthalle Frankfurt am Main stellt ab dem 18. Oktober unter dem Titel Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografieden lange von der Kunstgeschichte vernachlässigten Künstler aus.
Sollten Sie keine Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung haben, können Sie aber alternativ Caillebottes künstlerischen Werdegang auch von zu Haus aus nachverfolgen. Grundlage dafür kann etwa der vom Verlag Parkstone-International aufgelegte Titel Caillebotte mit seinen vielen Detailansichten im handlichen Druckformat sein.
So oder so ähnlich lesen sich zahlreiche Kontaktanzeigen in der lokalen Presse oder dem Internet. Und auf der Suche nach einem zeitweiligen Partner oder gar einem fürs Leben sind wir erst einmal herausgefordert, die zahlreichen Informationen zu dechiffrieren, die uns dieser Einzeiler gegeben hat.
Neben all diesen Abkürzungen, Zahlenkombinationen und der Frage „Was zum Kuckuck ist ein jung gebliebener Endvierziger?“ findet sich auch eine recht poetische Selbstbeschreibung – Rubensfrau. Die „Rubensfrau“ als Synonym für eine gut gebaute, füllige Frau mit deutlichen weiblichen Rundungen und einem üppigen Hinterteil – eine Frau halt, die „etwas zum Anfassen“ hat, würde vielleicht der ein oder andere männliche Zeitgenosse sagen.
Dieser Peter Paul Rubens (1577-1640) war übrigens ein flämischer Maler des Barock, in dessen Werken dieses Frauenbild zum Schönheitsideal avancierte. (Halb-)nackte Frauen finden sich in mythologischen oder historischen Szenerien in Frontal- oder Rückenansicht recht häufig und sind dabei immer ein wenig fülliger. Damals ein Schönheitsideal, weicht das Bild der Frau in den heutigen Medien stark davon ab – schlank ist schön – heißt es da. Dennoch finden wir in den Kleinanzeigen unserer medialen Welt immer wieder Frauen, die auf poetische Art und Weise vermitteln, dass sie zwar nicht dem „Ideal“ entsprechen, aber dennoch schön sind. Und da Schönheit irgendwie immer im Auge des Betrachters liegt …

Peter Paul Rubens, Venus vor dem Spiegel, um 1614. Öl auf Holz, 124 x 98 cm. Sammlungen des Fürsten von und zu Liechtenstein, Vaduz – Wien.
Wenn Sie nun die originalen „Rubensfrauen“ in ihren besten Jahren blank und bloß und sich lasziv auf der Leinwand rekeln sehen wollen und auch gespannt darauf sind, wie sich diese in einen politisch diplomatischen Kontext einfügen, dann bietet Ihnen das renommierte Von der Heydt-Museum in Wuppertal zwischen dem 16. Oktober 2012 und dem 28. Februar 2013 mit der Ausstellung Peter Paul Rubens die Gelegenheit dazu.
Begleitend oder alternativ können Sie Ihre Vorstellungen über die „Rubensfrauen“ Bmb (Bitte mit Bild) im handlichen Format mit dem hervorragend bebilderten Titel Rubens von Maria Varshavskaya und Xenia Egorova von Parkstone-International erweitern.
Wie lassen sich Kunst und Mathematik vereinen? Wenn der kreative Geist des Künstlers und der logisch überlegte Verstand des Mathematiker hier und da im Laufe der Kunstgeschichte zusammen fanden, wie etwa bei Albrecht Dürer, entstanden großartige Kunstwerke.
Albrecht Dürer, der Druckgrafiker der deutschen Renaissance, leistete mit der Veröffentlichung verschiedener Werke zu mathematischen Prinzipien, zur Perspektive oder auch zu idealen Proportionen einen entscheidenen Beitrag zur Mathematik. Zur selben Zeit wie die Universaltalente Leoardo da Vinci und Piero della Francesca sollte auch Dürer Kunst und Mathematik erfolgreich miteinander verbinden und so zu einer „ultimative Wahrheit” gelangen. Sein Kupferstich Melencolia I (1514)ist ein unumstrittenes Beispiel dafür:
Gelehrte haben Jahrhunderte damit verbracht, den „Rhomboederstumpf” in der linken Bildhälfte auf seine mathematische Genauigkeit hin zu analysieren, um ihn letzendlich als exakte geometrische Wiedergabe anerkennen zu müssen. Aufgrund aller Kalkulationen die Seitenverhältnisse und Winkel betreffend, eigentlich Thema einer mathematischen Debatte, wird die komplexe Geometrie hier zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung.
Was inspirierte diese wissenschaftliche Kunst oder künstlerische Wissenschaft? Bei allen Werken, die aus der Verschmelzung von Künstler und Mathematiker hervorgegangen sind, scheint es doch so, dass die Mathematik die Kunst schöner macht. Bereits bei den alten Ägyptern beispielsweise galt der „Goldene Schnitt” beim Bau ihrer Pyramiden als „ästhetisch ansprechend”.
Aber muss schöne Kunst auch immer mathematisch korrekt sein?
Lernen Sie Dürer und eine Reihe andere europäischer Künstler in der Ausstellung Dürer and Beyond: Central European Drawings 1400-1700 im Metropolitan Museum of Art noch bis zum 3. September 2012 kennen. Alternativ können Sie die großartigen Werke Dürers mit diesem qualitativ hochwertigen und reich bebilderten Kunstbuch genießen.
Haben Sie schon einmal vor einem Kunstwerk gestanden und waren innerlich wirklich bewegt? Vielleicht, weil Sie die Geschichte zum Werk oder die künstlerische Intention kannten, weil Sie von der Technik überwältigt waren oder einfach nur, weil es in dem Moment, in dem Sie es betrachteten, nahezu zusammenhanglos alles in Ihnen aufwühlte, Sie unglaublich beeindruckte? Dieses Gefühl ist überwältigend und leider auch viel zu selten. Es gibt viele Meisterwerke der Kunst, aber nur wenige, die uns persönlich anregen, über ein „wunderschön“ hinausgehen. Klitzekleine Synapsen in unserem Körper reagieren auf unsere Sinneseindrücke: tasten, schmecken, riechen, hören und SEHEN.
Jede Epoche hat Kunstwerke hervorgebracht, die die Fähigkeit besitzen, zu bewegen. Versuchen Sie es doch mal mit einer Zeit, in der sich selbst viel bewegt hat: vom Lösen von der akademischen Malerei über die Freilichtmalerei hin zur Auflösung der Form mittels der Farbe.
1912 – Das Jahr der großen Sonderbundausstellung in Köln! Die großartigen Künstler der Jahrhundertwende und der folgenden Generationen, vom Impressionismus zum Expressionismus, alle nebeneinander. Cézanne, van Gogh, Munch, Picasso, die Künstler der Brücke, des Blauen Reiter und viele, viele mehr. Rund 650 Werke, darunter auch Skulpturen Lembrucks, wurden in einer internationalen Ausstellung präsentiert, die zum ersten Mal die europäischen Kunstbewegungen der Zeit zusammenfasste und die Zeitgenossen bewegte.
2012 – Das Jahr der Retrospektive! Die Möglichkeit, zumindest eine Auswahl der sich heute größtenteils in Privatsammlungen befindlichen Kunstwerke zu betrachten, sich überwältigen zu lassen, ist einmalig. Das Wallraf-Richartz-Museum in Köln gibt mit der Retrospektive 1912 – Mission Moderne. Die Jahrhundertschau des Sonderbundes noch bis Ende Dezember Gelegenheit dazu. Hundert Jahre danach können wir einen Teil der ursprünglichen Ausstellung in ihren Schwerpunkten und Zielsetzungen rekonstruiert nacherleben, Meisterwerke der Kunstgeschichte bewundern, uns berühren lassen. Nutzen Sie diese Möglichkeit!
Begleitend zur Ausstellung finden Sie in dem umfangreichen Katalog des Verlages Parkstone-International zahlreiche Monografien zu Künstlern wie Cézanne von Nathalia Brodskaya, Vincent van Gogh, Gauguin oder Picasso von Victoria Charles, zu Kirchner von Klaus H. Carl, Munch von Elizabeth Ingles oder auch zu Schiele von Jeanette Zwingerberger.
Weitere E-Books unserer Autoren mit hervorragenden Abbildungen verschaffen Ihnen einen ersten allgemeinen Überblick über die Kunstströmungen des Impressionismus, ebenfalls von Nathalia Brodskaya, und des Expressionismus von Ashley Bassie.
Als Edmond Renoir, Journalist und Bruder des Malers Auguste Renoir (1841-1919), an einem begleitenden Katalog für die erste im Jahr 1874 stattfindende Ausstellung der – wie sie sich selbst nannten – Société anonyme des artistes, peintres, sculpteurs, graveurs (Die Anonyme Gesellschaft der Künstler, Maler, Bildhauer und Grafiker) arbeite, fiel ihm auf, dass Claude Monet (1840-1926) viele seiner Werke einfach mit dem Titel Le Havre versehen hatte. Auf einem dieser Gemälde ist eine diesige, in grau-blaue Nebelschwaden gehüllte morgendliche Flussszenerie dargestellt. Die Umrisse einiger kleiner Paddelboote im Bildvordergrund und größerer im Hafen liegender Segelboote zeichnen sich im Bildhintergrund ab. Der Hafen selbst und die normannische Stadt Le Havre sind im dämmrigen Morgenlicht und aufgrund der dichten Nebelschwaden jedoch nicht zu erkennen. „Schreib Impression“ lautete daher Monets Vorschlag für eine Neubetitelung des Gemäldes, nicht ahnend, dass damit die Bezeichnung der neuen Stilrichtung gefunden war.

Claude Monet, Impression, Sonnenaufgang, 1872. Öl auf Leinwand, 48 × 63 cm. Musée Marmottan Monet, Paris.
Am 25. April 1874 erschien in der Zeitschrift Charivari ein satirischer, von dem Kritiker Louis Leroy geschriebener Artikel über die Ausstellung aus Sicht eines akademischen Besuchers: „Impression, da bin ich mir sicher“, lässt er den vor Monets Gemälde stehenden Akademiker murmeln „[…] welch Freiheit, welch Gewandtheit in der Ausführung! Die unvollendete Tapete ist vollendeter als dieses Seestück hier!“ (Charivari, 25 April 1874). Seinem Artikel überschrieb Leroy sarkastisch mit dem Titel Die Ausstellung der Impressionisten – ein zunächst durchaus negativ gemeinter Neologismus, der aber so geläufig wurde, dass er sich als Epochenbegriff durchsetzte.
Mit der ersten Ausstellung der Impressionisten war ein großer Schritt hin zu einer Kunst getan, die das moderne, die Künstler umgebende Leben widerspiegelte. Paris gehörte schon im Mittelalter zu den größten Städten Europas und gilt als die erste Großstadt des Westens. Hier entwickelten sich typische städtische Lebensformen: Elegant gekleidete Fußgänger schlendern den neuen durch den Architekten Georges-Eugène Haussmann (1809-1891) geprägten Pariser Boulevard entlang, die kleinen Straßencafés sind gut besucht, im Park wird getanzt und gepicknickt. Das moderne Paris lieferte den Impressionisten viele Motive, und die Anonymität der Großstadt brachte gleichzeitig viele Freiheiten mit sich: „Das Paris zwischen den Weltkriegen“, bemerkte Simonetta Fraquelli, „[…] war die hedonistische Metropole Europas, Kreuzung und Testgebiet der Kunst von unvergleichlicher Vitalität, das Ziel von Künstlern auf der Suche nach Freiheit und Inspiration. Paris verkörperte einen Traum.“
Der Entwicklung der Gesellschaft und der Entstehung des modernen Lebens in den 1800er Jahren widmet sich auch die aktuelle Ausstellung Modern Life – France in the 19th im Century Nationalmuseum in Stockholm. Noch bis zum 3. Februar 2013 werden dort Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Fotografien und Werke der angewandten Kunst präsentiert. Von der klassisch inspirierten Kunst der napoleonischen Ära, über die neue Freilichtmalerei, vom kurvigen Jugendstil bis hin zum Impressionismus sind Werke von Claude Monet, Emile Gallé, Edouard Manet, Berthe Morisot, August Rodin, Gustave Courbet und vielen anderen Künstlern ausgestellt.
Der Impressionismus ist eine der Epochen, die in der Kunst einen großen Umbruch auslösten, eine Epoche, die es zu entdecken lohnt.
Einen weiterführenden guten Überblick können Sie sich mit dem im Verlag Parkstone-International erschienenen und als E-Book oder Druckausgabe erhältlichen Titel Impressionismus verschaffen.
Auch wenn das Mittelalter häufig als „dunkle Zeit“ bezeichnet wird, so ist damit nicht das Fehlen des Tageslichts gemeint. Viel mehr verleiten fehlende Informationen und Aufschluss gebende adäquate Quellen über Lebensstil, Traditionen und geschichtliche Zusammenhänge dazu, das Mittelalter eben als „dunkle Zeit“ zu beschreiben.
Zahlreiche Handschriften können jedoch zumindest ein wenig Licht auf dieses uns entfernte Kapitel der Geschichte werfen. Sie bringen uns die Helden des Artushofes und dessen Tafelrunde, vom sagenhaften walisischen Ritter Gawein von Orkney und des den Gral suchenden Ritters Parzival sowie die Lieder und Sangsprüche Walters von der Vogelweide (um 1170- um 1230) näher.
Doch überwältigt sind wir von der Ausführung und Farbenpracht der die Manuskripte zierenden Initialen und Miniaturen. Sie sind weder aus der geistlichen noch aus der so vielfältigen weltlichen Literatur wegzudenken. Ob im Zusammenhang mit der kirchlichen oder der privaten Andacht – in Gesangs- und Stundenbüchern finden sich immer wieder auf Goldgrund dargestellt die zarte Gestalt der Maria und die Leiden Christi neben weiteren Geschichten von Heiligen und aus der Bibel. Die prächtigen Bildwerke dieser frommen Lektüre, die mitunter einziges Verständigungsmittel zwischen den komplizierten Riten der Höfe und der analphabetischen Bevölkerung waren, zeigen uns nicht nur die Bedeutung der Religion, sondern demonstrieren vor allem auch die Macht der Kirche.
Als Illustration, Texterläuterung oder mit eigenständiger narrativer Funktion schmücken sie bis heute die überlieferten Handschriften und erhellen uns das „dunkle Mittelalter“. Noch bis zum 03. Februar 2013 können Sie in der Ausstellung The Art of Devotion in the Middle Ages im Getty Museum Los Angeles einen Blick auf die „Kunst der Andacht“ werfen oder sich weitere Informationen aus dem umfangreichen Bildband Meisterwerke der Buchmalerei von Edmond de Goncourt und Jp. A. Calosse des Verlages Parkstone-International auf ihren E-Book-Reader holen.
Wie oft standen wir während unseres Studiums der Kunstgeschichte bei den sogenannten „Übungen vor Originalen“ vor christlichen Meisterwerken und gingen vor unseren inneren Augen das „Who‘s Who“ der Kunstgeschichte durch. Auf einer Darstellung der Thronenden Madonna beispielsweise sind im Bildzentrum auf einem Thron sitzend die Gottesmutter und auf ihrem Schoß das Jesuskind dargestellt. Befinden sich weitere Personen auf dem Werk – was keine Ausnahme, sondern eher der Regelfall ist – wird es schon schwieriger. Auf dem seit dem Mittelalter sehr häufig auftretenden Bildtypus der Maestà, der Maria als Herrscherin zeigt, wird diese von Engeln umringt, häufig sind auch mehrere anhand ihrer jeweiligen Attribute erkenntliche Heilige dargestellt.
Besonders schwierig wird es aber, wenn sich die Stifter des Werkes ebenfalls auf der Darstellung befinden. Bereits seit dem Mittelalter war es durchaus üblich, sich als Stifter oder Auftraggeber eines Werkes auf diesem mit abbilden zu lassen. Besonders beliebt wurden die Stifterfiguren durch den gesellschaftlichen Wandel in den Niederlanden im Laufe des 14. Jahrhunderts: Nicht mehr ausschließlich die Kirche, sondern auch weltliche Mäzene gehörten nun zu den wichtigsten Auftraggebern der bildenden Kunst, und für die private Andacht zu Hause wurden immer mehr christliche Bildthemen und Altarretabel in Auftrag gegeben.

Hieronymus Bosch: Epiphanie-Triptychon, um 1510 (linker Flügel). Öl auf Holz. Museo del Prado, Madrid.
Heutzutage mag die Idee, sich mit der Thronenden Maria und dem Jesusknaben auf einem Altarretabel zu befinden absurd anmuten. Die Darstellung als Stifter brachte nach dem damaligen Verständnis jedoch genügend Vorteile, um ein in der Regel sehr kostspieliges Stifterbild zu rechtfertigen, denn durch die Förderung des religiösen Werkes konnten die Stifter dem Himmelreich einen Schritt näher kommen. Während die Stiftung an sich bereits eine gute Tat darstellte, förderte die gleichzeitige Darstellung in dem gestifteten Werk zusätzlich die Aussicht auf einen positiven Ausgang des Jüngsten Gerichts, da es üblich war, die dargestellten Stifter bei der Anbetung mit ins Gebet einzuschließen und sich für deren Seelenheil starkzumachen. In einer andächtigen Pose dargestellt, konnten sich die Stifter darüber hinaus nicht nur als vorbildliche Christen präsentieren, sondern zeigten damit auch ihre Zugehörigkeit zu den privilegierten Kreisen, da nur diese sich eine solche Darstellung leisten können.
Einer der am meisten bewunderten niederländischen Maler des 16. Jahrhunderts war der Renaissance-Maler Maerten van Heemskerck (1498-1574). Eines seiner wichtigsten Werke – das Altarbild Ecce Homo (1544) – wurde in den vergangenen 18 Monaten von einem Expertenteam aus Kuratoren, Restauratoren und Wissenschaftler des Getty Museums und des Getty Conservation Institute konserviert und eingehend untersucht. Seit Anfang Juni 2012 und noch bis zum 13. Januar 2013 ist das zu der Sammlung des Nationalmuseums in Warschau zählende Meisterwerk im The J. Paul Getty Museum in Los Angeles ausgestellt. Auch hier gibt es zwei Stifterfiguren zu bewundern.
Wer weitere Informationen zu Stifterfiguren in der Malerei, zu Hans Memling oder Hieronymus Bosch sucht, findet diese mit hervorragenden Farbabbildungen in den als gebundene Ausgabe oder als E-Book erhältlichen Büchern Bosch und Memling des Verlages Parkstone-International.
http://www.getty.edu/art/exhibitions/heemskerck/
Während manche Gemälde Peter Paul Rubens (1577-1640) auf den ersten Blick wie Illustrationen eines Kitschromans erscheinen, reicht ein wenig Geduld, um in seinen Werken eine Vielzahl mythologischer, religiöser oder historisch-politischer Anspielungen zu entdecken. Reine Landschaften oder Porträts ohne literarische Referenzen, die sogenannte l’art pour l’art, sind eine Errungenschaft der späten Neuzeit. Lange bevor das Radio, der Fernseher oder andere Nachrichten übermittelnde Medien erfunden waren, diente die Kunst in den verschiedenen Epochen mal mehr und mal weniger der Verbreitung von Neuigkeiten und Meinungen – und Rubens wusste genau, wie er mit seinen Gemälden die ungeteilte Aufmerksamkeit vor allem potenzieller Auftraggeber erlangen konnte.
Es scheint fast, als hätte er bereits die AIDA-Formel der heutigen Werbebranche gekannt – Attention, Interest, Desire, Action –all dies lässt sich nämlich in Rubens Werken wiederfinden: Ganz nach dem Motto Sex sells wecken in Rubens‘ mythologischen Darstellungen vollbusige nackte Frauenkörper in lasziven Posen die Aufmerksamkeit. Von den nackten barocken Modellkörpern wird der Blick auf die spannungsgeladene, durch Blicke, Gesten oder Bewegungen alle dargestellten Figuren verbindende Interaktion gelenkt. Von diesem Beziehungsgeflecht gefesselt, ist das Interesse des Betrachters endgültig geweckt. Der Wunsch, das Dargestellte im Ganzen zu erfassen, lässt ihn nun selbst aktiv werden: Auf der Suche nach dem tieferen Gehalt des Bildes, durchsucht er die Bildoberfläche nach allegorischen Verweisen und versucht, die werkimmanente Symbolik zu entschlüsseln.
Seine dramatische Bildsprache verband Rubens mit seiner 1623 aufgenommenen diplomatischen Tätigkeit. Bereits 1629 wird er vom spanischen König zum Sekretär des Geheimen Staatsrats der Südlichen Niederlande ernannt und fährt im Juni desselben Jahres nach London, um Friedensverhandlungen zwischen Spanien und England zu führen. Auch mit seiner Kunst setzte er sich aktiv für den Frieden ein und schenkte dem später hingerichteten englischen König Karl I (1600-1649) während den Friedensverhandlungen das kritische auch als Krieg und Frieden bekannte Gemälde Minerva beschützt Pax vor Mars (vor 1630; London, The National Gallery) auf dem die Vorzüge des Friedens und die Folgen des Krieges eindrücklich wiedergegeben sind. Um sein diplomatisches Anliegen zu bekräftigen, malte er während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) für den Herzog von Toskana das Bild Die Schrecken des Krieges (1638; Florenz, Palazzo Pitti).
Rubens verstand es jedoch nicht nur, in seinen allegorischen und mythologischen Werken zeitgenössische Geschehnisse zu verpacken, sondern er schuf auch zahlreiche Porträts, Landschaften, Genrebilder und insbesondere christliche Gemälde zur Unterstützung der katholischen Reform. Eine große Auswahl seiner Werke wird das Wuppertaler Von der Heydt-Museum vom 16. Oktober und bis zum 28. Februar 2013 in der Ausstellung Peter Paul Rubens zeigen. Weitere Informationen und viele farbige Abbildungen in herausragender Qualität gibt es auch in dem im Verlag Parkstone-International erschienenen Buch Rubens zu entdecken.
-C. Schmidt
Als Sammler, Mäzen und Initiator von durch ihn mitfinanzierten und mitorganisierten Ausstellungen hat er seine zeitgenössischen Künstlerkollegen unterstützt und gleichzeitig selber Hunderte Gemälde geschaffen, was ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des französischen Impressionismus macht. Die Rede ist von Gustav Caillebotte (1848-1894), der trotz all seiner Mühen, den Impressionismus zu fördern, nahezu in Vergessenheit geraten ist.
Caillebotte kam im Jahr der Französischen Revolution zur Welt und lebte in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche, die neue Verfassung, die Industrialisierung, die Verstädterung, der Preußisch-Französische Krieg – es waren turbulente Zeiten, in die er hinein geboren wurde. Von diesen Unruhen ist in seinen Gemälden jedoch nichts zu spüren. Abgesehen von Landschaften malte Caillebotte größtenteils Alltagsszenen, deren darauf abgebildete Personen sich eine kleine Auszeit vom großstädtischen Leben zu gönnen scheinen: Ein Mann ist im Schatten eines Baumes, den Hut über sein Gesicht gezogen, eingeschlafen, ein junger Mann spielt Klavier, Frauen verrichten im Garten sitzend ihre Handarbeiten, andere sind in ihre Lektüre vertieft; auf dem Fluss wird gerudert, auf einem der Boulevards flaniert ein Pärchen im Regen.
Caillebottes Gemälde lassen die Zeit für einen Moment stillstehen, die Personen scheinen in ihren Gedanken versunken einen Moment zu pausieren, von Stress und Unruhe ist nichts zu spüren. Selbst seine berühmten Parkettschleifer (1875; Paris, Musée d’Orsay) wirken, obwohl sie bei der Arbeit dargestellt sind, entspannt und strahlen eine innere Ruhe aus.
Caillebotte, der sich erst relativ spät – im Alter von 25 Jahren – mit der erfolgreichen Bewerbung an der École des Beaux-Arts für den Künstlerberuf entschied, malte im Gegensatz zu den anderen Impressionisten realistischer. Seine teilweise fotografisch anmutenden Interieure, Stadt- und Landansichten verknüpfte er jedoch mit einer impressionistischen Malweise und außergewöhnlichen perspektivischen Effekten. Seine Auf-, Schräg- oder Draufsichten sowie seine „herangezoomten“ Ansichten eröffnen immer wieder neue, individuelle Sichtweisen auf das Dargestellte, seine teilweise stark angeschnittenen Motive im Bildvordergrund lösen scheinbar die Grenze zwischen Bildraum und Realraum auf und lassen den Betrachter am Dargestellten direkt teilhaben. Die spektakulären Perspektiven und die zufällig anmutende Motivauswahl erinnern dabei an die zeitgenössische Fotografie. Gerade durch seine individuellen Momentaufnahmen, ein Motiv, das in der Fotografie erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftauchte, hat Caillebotte völliges Neuland betreten.
Die Beziehung zwischen Caillebottes Gemälden und Zeichnungen und den fotografischen Positionen des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts ist vom 18. Oktober 2012 bis zum 20. Januar 2013 das Thema der als Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie betitelten Ausstellung in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main. Dort werden zahlreiche Hauptwerke – darunter auch das Gemälde Die Parkettschleifer zu sehen sein. Im Dialog mit zeitgenössischen Fotografien und Werken der Fotografie der 1920er-Jahre von André Kertesz, László Moholy-Nagy, Wolsoder Alexander Rodtschenko soll der enge Zusammenhang zwischen dem Schaffen Caillebottes und der Herausbildung eines neuen künstlerischen Sehens aufgezeigt werden.
Die Gemälde Caillebottes lassen den Betrachter in das Pariser Leben am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen. Trotz der lokalen Gebundenheit der Werke eröffnen sie dem Betrachter aber gleichzeitig auch einen weiten Interpretationsspielraum – Ist es Gelassenheit? Sehnsucht? Fernweh, die aus den Augen der Porträtierten spricht? Was mag in den Köpfen der gedankenversunken in die Ferne blickenden Personen vorgehen?
Entdecken Sie Caillebottes modernes Weltbild und gönnen Sie sich eine Auszeit vom Alltag mit dem neuen im Verlag Parkstone-International erschienenen Buch Caillebotte von Nathalia Brodskaya.
http://www.schirn.de/ausstellungen/2012/gustave-caillebotte/caillebotte-ausstellung.html
-C. Schmidt
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