Während manche Gemälde Peter Paul Rubens (1577-1640) auf den ersten Blick wie Illustrationen eines Kitschromans erscheinen, reicht ein wenig Geduld, um in seinen Werken eine Vielzahl mythologischer, religiöser oder historisch-politischer Anspielungen zu entdecken. Reine Landschaften oder Porträts ohne literarische Referenzen, die sogenannte l’art pour l’art, sind eine Errungenschaft der späten Neuzeit. Lange bevor das Radio, der Fernseher oder andere Nachrichten übermittelnde Medien erfunden waren, diente die Kunst in den verschiedenen Epochen mal mehr und mal weniger der Verbreitung von Neuigkeiten und Meinungen – und Rubens wusste genau, wie er mit seinen Gemälden die ungeteilte Aufmerksamkeit vor allem potenzieller Auftraggeber erlangen konnte.
Es scheint fast, als hätte er bereits die AIDA-Formel der heutigen Werbebranche gekannt – Attention, Interest, Desire, Action –all dies lässt sich nämlich in Rubens Werken wiederfinden: Ganz nach dem Motto Sex sells wecken in Rubens‘ mythologischen Darstellungen vollbusige nackte Frauenkörper in lasziven Posen die Aufmerksamkeit. Von den nackten barocken Modellkörpern wird der Blick auf die spannungsgeladene, durch Blicke, Gesten oder Bewegungen alle dargestellten Figuren verbindende Interaktion gelenkt. Von diesem Beziehungsgeflecht gefesselt, ist das Interesse des Betrachters endgültig geweckt. Der Wunsch, das Dargestellte im Ganzen zu erfassen, lässt ihn nun selbst aktiv werden: Auf der Suche nach dem tieferen Gehalt des Bildes, durchsucht er die Bildoberfläche nach allegorischen Verweisen und versucht, die werkimmanente Symbolik zu entschlüsseln.
Seine dramatische Bildsprache verband Rubens mit seiner 1623 aufgenommenen diplomatischen Tätigkeit. Bereits 1629 wird er vom spanischen König zum Sekretär des Geheimen Staatsrats der Südlichen Niederlande ernannt und fährt im Juni desselben Jahres nach London, um Friedensverhandlungen zwischen Spanien und England zu führen. Auch mit seiner Kunst setzte er sich aktiv für den Frieden ein und schenkte dem später hingerichteten englischen König Karl I (1600-1649) während den Friedensverhandlungen das kritische auch als Krieg und Frieden bekannte Gemälde Minerva beschützt Pax vor Mars (vor 1630; London, The National Gallery) auf dem die Vorzüge des Friedens und die Folgen des Krieges eindrücklich wiedergegeben sind. Um sein diplomatisches Anliegen zu bekräftigen, malte er während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) für den Herzog von Toskana das Bild Die Schrecken des Krieges (1638; Florenz, Palazzo Pitti).
Rubens verstand es jedoch nicht nur, in seinen allegorischen und mythologischen Werken zeitgenössische Geschehnisse zu verpacken, sondern er schuf auch zahlreiche Porträts, Landschaften, Genrebilder und insbesondere christliche Gemälde zur Unterstützung der katholischen Reform. Eine große Auswahl seiner Werke wird das Wuppertaler Von der Heydt-Museum vom 16. Oktober und bis zum 28. Februar 2013 in der Ausstellung Peter Paul Rubens zeigen. Weitere Informationen und viele farbige Abbildungen in herausragender Qualität gibt es auch in dem im Verlag Parkstone-International erschienenen Buch Rubens zu entdecken.
-C. Schmidt
Als Sammler, Mäzen und Initiator von durch ihn mitfinanzierten und mitorganisierten Ausstellungen hat er seine zeitgenössischen Künstlerkollegen unterstützt und gleichzeitig selber Hunderte Gemälde geschaffen, was ihn zu einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des französischen Impressionismus macht. Die Rede ist von Gustav Caillebotte (1848-1894), der trotz all seiner Mühen, den Impressionismus zu fördern, nahezu in Vergessenheit geraten ist.
Caillebotte kam im Jahr der Französischen Revolution zur Welt und lebte in einer Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche, die neue Verfassung, die Industrialisierung, die Verstädterung, der Preußisch-Französische Krieg – es waren turbulente Zeiten, in die er hinein geboren wurde. Von diesen Unruhen ist in seinen Gemälden jedoch nichts zu spüren. Abgesehen von Landschaften malte Caillebotte größtenteils Alltagsszenen, deren darauf abgebildete Personen sich eine kleine Auszeit vom großstädtischen Leben zu gönnen scheinen: Ein Mann ist im Schatten eines Baumes, den Hut über sein Gesicht gezogen, eingeschlafen, ein junger Mann spielt Klavier, Frauen verrichten im Garten sitzend ihre Handarbeiten, andere sind in ihre Lektüre vertieft; auf dem Fluss wird gerudert, auf einem der Boulevards flaniert ein Pärchen im Regen.
Caillebottes Gemälde lassen die Zeit für einen Moment stillstehen, die Personen scheinen in ihren Gedanken versunken einen Moment zu pausieren, von Stress und Unruhe ist nichts zu spüren. Selbst seine berühmten Parkettschleifer (1875; Paris, Musée d’Orsay) wirken, obwohl sie bei der Arbeit dargestellt sind, entspannt und strahlen eine innere Ruhe aus.
Caillebotte, der sich erst relativ spät – im Alter von 25 Jahren – mit der erfolgreichen Bewerbung an der École des Beaux-Arts für den Künstlerberuf entschied, malte im Gegensatz zu den anderen Impressionisten realistischer. Seine teilweise fotografisch anmutenden Interieure, Stadt- und Landansichten verknüpfte er jedoch mit einer impressionistischen Malweise und außergewöhnlichen perspektivischen Effekten. Seine Auf-, Schräg- oder Draufsichten sowie seine „herangezoomten“ Ansichten eröffnen immer wieder neue, individuelle Sichtweisen auf das Dargestellte, seine teilweise stark angeschnittenen Motive im Bildvordergrund lösen scheinbar die Grenze zwischen Bildraum und Realraum auf und lassen den Betrachter am Dargestellten direkt teilhaben. Die spektakulären Perspektiven und die zufällig anmutende Motivauswahl erinnern dabei an die zeitgenössische Fotografie. Gerade durch seine individuellen Momentaufnahmen, ein Motiv, das in der Fotografie erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts auftauchte, hat Caillebotte völliges Neuland betreten.
Die Beziehung zwischen Caillebottes Gemälden und Zeichnungen und den fotografischen Positionen des ausgehenden 19. und des beginnenden 20. Jahrhunderts ist vom 18. Oktober 2012 bis zum 20. Januar 2013 das Thema der als Gustave Caillebotte. Ein Impressionist und die Fotografie betitelten Ausstellung in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main. Dort werden zahlreiche Hauptwerke – darunter auch das Gemälde Die Parkettschleifer zu sehen sein. Im Dialog mit zeitgenössischen Fotografien und Werken der Fotografie der 1920er-Jahre von André Kertesz, László Moholy-Nagy, Wolsoder Alexander Rodtschenko soll der enge Zusammenhang zwischen dem Schaffen Caillebottes und der Herausbildung eines neuen künstlerischen Sehens aufgezeigt werden.
Die Gemälde Caillebottes lassen den Betrachter in das Pariser Leben am Ende des 19. Jahrhunderts eintauchen. Trotz der lokalen Gebundenheit der Werke eröffnen sie dem Betrachter aber gleichzeitig auch einen weiten Interpretationsspielraum – Ist es Gelassenheit? Sehnsucht? Fernweh, die aus den Augen der Porträtierten spricht? Was mag in den Köpfen der gedankenversunken in die Ferne blickenden Personen vorgehen?
Entdecken Sie Caillebottes modernes Weltbild und gönnen Sie sich eine Auszeit vom Alltag mit dem neuen im Verlag Parkstone-International erschienenen Buch Caillebotte von Nathalia Brodskaya.
http://www.schirn.de/ausstellungen/2012/gustave-caillebotte/caillebotte-ausstellung.html
-C. Schmidt
„Je schreckensvoller diese Welt, desto abstrakter die Kunst“, notierte Paul Klee (1879-1940) ein Jahr nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs (1914-1918) in seinem Tagebuch. „Man verlässt die diesseitige Gegend und baut dafür hinüber in eine Jenseitige, die ganz ja sein darf“.
Zur Entstehungszeit des Bildes Sternennachtbefand sich van Gogh in einer Nervenheilanstalt, das Gemälde ist nicht durch eine tatsächliche Nachtszene inspiriert. Die Farben widersprechen einer wirklichkeitsgetreuen Darstellung, die kreisförmigen und wellenartigen Formen, die flammenähnlich in den Himmel ragenden Baumkronen, die kleine Ortschaft mit den krummen Häusern und die dahinterliegende unregelmäßige Berglandschaft erzeugen eine chaotische, beunruhigende Dynamik. Ein romantischer, sternenbehangener Nachthimmel? Weit gefehlt!
Sowohl Vincent van Gogh (1853-1890) als auch andere Künstler der Moderne wie etwa Wassily Kandinsky (1866-1944) erlebten schwere Zeiten. Während van Gogh unter Depressionen litt und jahrelang einen inneren Kampf mit sich selbst führte, wurde Kandinsky 1914 für den Kriegsdienst in Russland eingezogen. Ihre Kunst ermöglichte ihnen, sich von der diesseitigen Welt in eine fantastische Traumwelt zu flüchten. In der Zeit des Übergangs vom Postimpressionismus zum Expressionismus wurden die Landschaftsdarstellungen zunehmend symbolischer und die Künstler bedienten sich ihrer, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Das den Impressionisten noch als höchste Inspiration dienende Vorbild der Natur wurde verworfen, dafür rückten subjektive Empfindungen in den Vordergrund. Kandinsky beschränkte seine Kompositionen zunehmend auf flächige Grundformen und nutzte eine begrenzte Palette kontrastreicher Farben.
Den Übergang vom Impressionismus zum Expressionismus veranschaulicht die in Kooperation mit dem Van Gogh-Museum in Amsterdam und dem Ateneum Museum in Helsinki initiierte Ausstellung „Van Gogh to Kandinsky. Symbolist Landscape in Europe 1880-1910“ in den National Galleries of Scotland.
Die sich speziell der symbolistischen Landschaftsmalerei widmende Ausstellung präsentiert noch bis zum 14. Oktober 2012 ein breites Spektrum von poetischen und suggestiven Landschaftsbildern. Gezeigt werden sowohl Werke berühmter Avantgarde-Künstler wie Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky und Edvard Munch als auch weniger bekannter europäischer und skandinavischer Künstler.
Gerade die Gegenüberstellung van Goghs, der als einer der Begründer der Moderne noch dem Post-Impressionismus zugerechnet wird, mit Kandinskys als einem der führenden Vertreter der abstrakten Kunst zeigt deutlich die zunehmende Abstraktion der Kunst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.
Vergleichen können Sie die beiden dem Blauen Reiter zuzurechnenden Künstler mit den E-Books Van Gogh und Kandinsky des Verlages Parkstone International auch bequem von zu Hause aus.
-C. Schmidt
Das alte Zarenreich Russland wird heute immer noch mit vielen Stereotypen verbunden: Selbstgebrannter Wodka in trinkfreudigen Gesellschaften mit Balalaika-Musik oder mit traditionellen Trachten und Volkstänzen. Nach Umfrage des Magazins Der Spiegel vom Dezember 2007 sollen Russen tapfer und gastfreundlich sein. Aber was weiß man wirklich von diesem flächenmäßig größten Staat, der vor allem Kälte und Winter mit langen Nächten assoziiert? Dem einen mögen die Komponisten Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Igor Strawinsky oder die Opern-Diva Anna Netrebko ein Begriff sein, dem anderen Literaten wie Alexander Puschkin, Lew (Leo) Tolstoi oder Fjodor Dostojewski, und vielleicht mag auch der eine oder andere die Namen der Maler Ilja Repin und Valentin Serow schon einmal vernommen haben. Doch was weiß man wirklich über dieses Land der Märchen und Sagen, über seine Künstler und deren Intentionen?
Die beiden waren Maler des Realismus und bildeten das gesellschaftliche Leben ihrer Zeit kritisch und charakteristisch ab. Beide schlossen sich einer um die letzte Jahrhundertwende erfolgreichen Künstlergruppe, den Peredwischniki, den Wanderern, an, die sich in ihren Arbeiten gegen die erstarrten Traditionen der Akademiemalerei wandten.
In Porträts, Landschaften, Genre- oder Historienszenen stellten sie in mitunter psychologisierten Momentaufnahmen die Missstände des Alltags dar. Inspiriert von den Impressionisten, sollte vor allem Repin in seiner formalen Auseinandersetzung mit Licht und atmosphärischen Effekten zum unübertroffenen Vertreter des russischen Realismus werden. Sein Schüler Serow entwickelte sich zu einem der ersten russischen Impressionisten.

ImageIlya Repin, Leo Tolstoi beim Pflügen, 1887. Öl auf Karton, 27.8 x 40.3 cm. Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau
Lassen sie sich von diesem großartigen Künstler noch bis zum 8. Oktober 2012 in der Ausstellung Ilya Repin: Master Works from the State Tretyakov Gallery im Bunkamura Museum of Artin Tokyo faszinieren oder erweitern Sie ohne lange Anreise und vielleicht in Gesellschaft eines guten russischen Wodkas – in Maßen versteht sich – Ihren Informationsstand über Russland, seine Künstler und seine Maler des Realismus mit den Büchern Repin von Grigori Sternin und Jelena Kirillina sowie Valentin Serow von Dmitri Sarabianov des Verlages Parkstone-International, die sowohl als Print als auch als E-Book erhältlich sind.
Große, geflügelte Wesen mit Heiligenschein, heller Haut in weißen, wallenden Kleidern, Putten oder auch kleine Nackedeis mit rosigen Wangen und den typischen blonden Engelslöckchen – diese Engelsbilder habensich in unseren Köpfen fest verankert. Heutzutage gibt es kaum einen Haushalt ohne Engel: Als kleine Statuen sitzen sie bevorzugt auf den Fensterbänken oder in Vitrinen der Schlaf- und Kinderzimmer, sie baumeln als Schutzengel am Schlüsselanhänger, kleben als Sticker auf Fensterscheiben, Tapeten und Schränken oder bevölkern Keksdosen, Kissen und Bettdecken.
Während die zwei verträumt schauenden Engel des italienischen Renaissancekünstlers Raphael (1483-1520) sich weltweit auf unzähligen Kunstdrucken, Dekoartikeln und Haushaltswaren aller Art befinden, ist vielen ihrer Eigentümer gar nicht bekannt, dass es sich bei dem Motiv lediglich um einen winzigen Ausschnitt eines der berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte handelt: Der eigentliche Hauptakteur, nach dem das Gemälde auch benannt ist, ist die Sixtinische Madonna (Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister).
Auf dem um 1512 ursprünglich für den Hochaltar der Klosterkirche San Sisto in Piacenza geschaffenen Gemälde befindet sich die Madonna mit dem Kind auf dem Arm vor einem hellblauen Himmel auf einer wattebauschartigen Wolke stehend als großformatige, die Bildmittelachse einnehmende Figur im Zentrumder Darstellung. Mit auf der Wolke, etwas tiefer positioniert, stehen zu ihrer Rechten Papst Sixtus II. und zu ihrer Linken die Heilige Barbara.
Die Dreieckskomposition nimmt nahezu die gesamte Bildfläche ein. Der grüne, auf beiden Seiten zurückgeraffte Vorhang und die am unteren Bildrand aufgestützten Engel lassen das Dargestellte wie ein Bühnenbild erscheinen. Während die beiden kleinen, nackten Putten, die nicht einmal ein Zehntel des Bildes einnehmen, auf dem Gemälde neben den Hauptakteuren nur als Statisten auftauchen, sind sie heutzutage wahre Verkaufsschlager und ein auch von der Werbeindustrie gern als Symbolträger verwendetes Motiv.
Unsere Vorstellung von Engeln wurde zum größten Teil durch die christliche Kunst geprägt. Engel tauchen an vielen Stellen in der Bibel auf und sind ein beliebtes und oft dargestelltes Motiv der bildenden Kunst. Im Laufe der Jahrhunderte haben Künstler sie immer wieder abgebildet und mit verschiedenen Attributen ausgestattet: als himmlische Wächter (Cherubim), Engel der Anbetung (Seraphim) oder Himmelsboten (Erzengel). Die Isolation der Raphael-Engel und deren Entwicklung zu einem eigenständigen Motiv der Alltagskultur zeigt jedoch, dass die große Faszination für Engel offenbar unabhängig vom religiösen Kontext besteht.
Die Ausstellung Angels in Art im The Israel Museum in Jerusalem bietet noch bis zum 21. Dezember 2012 eine gute Gelegenheit, einen Überblick über die religiöse Engelsthematik in der Kunst zu erhalten. In der Ausstellung werden vor allem Gemälde mit christlicher und jüdischer, aber auch mit islamischer Motivik präsentiert. Ausgestellt sind unter anderem Werke der barocken Maler Pieter Lastman (um 1583-1633), Jacob Jordaens (1593-1678) und Pedro Orrente (1580-1645), des französischen Malers, Grafikers und Bibel-Illustrators Gustave Doré (1832-1883) sowie der israelitischen Künstler Ephraim Maurycy Lilien (1874-1925), Arie Aroch (1908-1974) und Uri Radovan (*1978).
Wenn Sie mehr über Engel in der Kunst erfahren möchten, empfehlen wir Ihnen das im Verlag Parkstone-International erschienene E-Book Angels, in dem Sie mit vielenBildbeispielen die historische Entwicklung der Engelsdarstellungen durch alle Epochen hindurch verfolgen können.
-C. Schmidt
Amerika galt lange Zeit als das Land,in dem Träume wahr werden. Doch ist das heute noch genauso? Wofür stehen die Vereinigten Staaten von Amerika heute? Was verbinden wir mit Amerika?
„We’re all living in America, Coca-Cola, Wonderbra, We’re all living in America“ lautet der Refrain des von der deutschen Rockband Rammstein 2004 herausgebrachtenSongs Amerika. An anderer Stelle wird der Refrain durch „Coca-Cola, sometimes WAR, We’re all living in America, America is wunderbar“ variiert. Im Songtext heißt es dann: „Lasst euch ein wenig kontrollieren, […] Musik kommt aus dem Weißen Haus, […], und wer nicht tanzen will am Schluss, weiß noch nicht, dass er tanzen muss!“.
Es sind sowohl die banalen Dinge wie Coca-Cola als der Exportschlager aus den USA und der durch die Traumfabrik Hollywoods und den Playboy geförderte Schönheitswahn symbolisierende Wonderbra,als auch tiefgründige Aspekte wie Krieg, Macht undKontrolle, die wir heute in unserem kollektiven Gedächtnis mit Amerika verbinden. Natürlich reicht das nicht, um dem drittgrößten Staat der Welt, der der Bevölkerung nach nur durch China und Indien und der geografischen Ausdehnung nach nur von Russland und Kanada überboten wird, ein Gesicht zu verleihen.
Trotz der riesigen Fläche und der Zergliederung in 50 Bundesstaaten gibt es dennoch etwas, das überall gleich ist und das man überall in den USA wiederfindet – auf den Häuserdächern, in den Gärten, auf Trucks, T-Shirts, Basecaps und Bettwäsche– die Stars and Stripes sind überall. Besser als viele Worte schafft die Flagge Einheitlichkeit, ein nationales Bewusstsein unddas Gefühl der Zusammengehörigkeit und erzählt darüber hinaus etwas über die amerikanische Geschichte: Die sieben roten und sechs weißen Streifen symbolisieren die 13 Gründungsstaaten, die 50 weißen Sterne auf dem blauen, rechteckigen Untergrund in der linken oberen Flaggenecke stehen für die 50 Bundesstaaten der United States of America. Auch die Farben sind nicht zufällig gewählt, sondern symbolisieren unterschiedliche gesellschaftliche Werte: das Weiß steht für Reinheit und Unschuld, das Rot für Tapferkeit und Widerstandsfähigkeit und das Blau für Wachsamkeit, Ausdauer und Gerechtigkeit. Für den Umgang mit der Flagge, das Hissen, Abnehmen und Vernichten beschädigter Flaggen gibt es im United States Code ein spezielles Flaggengesetz. Der 14. Juni wurde zum Flag Day erklärt.
Die Flagge und die amerikanische Landkarte sind typische Motive, die man mit dem 1930 in Georgia geborenen Künstler Jasper Johns verbindet. In seinem um 1954 entstandenen Meisterwerk Flag, das sich heute imMuseum of Modern Art in New York befindet, ist die Flagge bereits von Weitem als solche erkennbar.Erst bei näherer Betrachtung wird die darunterliegende Basis erkennbar: ein Zusammenschnitt aus Zeitungsüberschriften, Textausschnitten und Pressefotos. Auf diese Collage trug Johns durch eine Kombination aus Ölfarbe und flüssigem Wachs die Flagge auf. Auch hier wird diese zu einem Bindeglied, indem sie die zusammengeklebten Geschichten und Bilder zusammenfassend überlagert und sie so als nationale Geschehnisse darstellt.
Auf welche Weise Künstler in ihren Arbeiten, bewusst oder unbewusst, offensichtliche oder auch versteckte Stellungnahmen zu ihrem Heimatland, dessen Bevölkerung, den politischen oder gesellschaftlichen Zielen und dem Selbstverständnis des Landes verarbeiten, wird in der aktuellen Ausstellung „…as apple pie“ imThe Whitney Museum of American Artin New York seit Anfang Juni gezeigt. In einer rotierenden Installation werden Werke verschiedener amerikanischer Künstler ausgestellt. Die Flagge ist dabei nicht nur bei Jasper Johns ein wiederkehrendes Motiv, das die Exponate mit einem roten Faden unter vielen weiteren zu einem Knäuel nationaler Bezüge verknüpft. Eine spannende Entdeckungsreise und weitere Informationen über den Künstler und dessen Kunst sowie zahlreiche hochwertige Abbildungenenthält das im Parkstone-Verlag erschienene E-BookJasper Johns.
-C. Schmidt
Wer bei den Olympischen Spielen ausschließlich an Sport denkt, liegt völlig falsch. Nicht nur der Sport und die Kunst, sondern auch die Musik, die Literatur und die Religion waren wichtige Pfeiler der antiken Kultur, die seither eng miteinander verknüpft sind.
Der Ursprung der Olympischen Spiele lässt sich bis weit vor Christi Geburt zurückverfolgen. Bei den antiken Spielen stand, anders als heutzutage, nicht der Sport, sondern die religiöse Feier im Vordergrund. Die Wettkämpfe wurden zu Ehren des Göttervaters Zeus und des göttlichen Helden Pelops ausgetragen. Die Eröffnung mit verschiedenen kultischen Zeremonien und dem festlichen Einzug der Athleten in den heiligen Hain von Olympia dauerte einen ganzen Tag. In den darauf folgenden Tagen wurden, wiederum anders als heutzutage, neben den sportlichen Wettkämpfen auch musikalische Dichter-Wettkämpfe ausgetragen, die bei den Zuschauern denselben hohen Stellenwert einnahmen.
Auch bei der aktuellen Olympiade in Großbritannien gibt es, parallel zu den sportlichen Spielen, ein landesweites Kulturprogramm mit Ausstellungen, Installationen, Musik-, Tanz-, Film- und Theateraufführungen, und Vieles davon sogar unentgeltlich.
Ein Highlight dieser Kultur-Olympiade ist die Tizian-Ausstellung „Metamorphosis: Tizian2012“ in der Londoner National Gallery, deren Mittelpunkt drei GemäldeTizians bilden, die zum ersten Mal seit dem 18. Jahrhundert wieder gemeinsam ausgestellt werden. Die drei Gemälde behandeln Episoden aus dem in Ovids Metamorphosen geschilderten Mythos der Jagdgöttin Diana. Zwei dieser Darstellungen stellen das tragische Schicksal des Jägers Aktaion dar, der auf einem Streifzug durch den Wald ungewollt die Jagdgöttin Diana und ihre Nymphen beim Baden in einer Quelle überrascht, deswegen von der Göttin in einen Hirsch verwandelt und von seinen eigenen Hunden zerfleischt wird.
Den Werken Tizians werden in der Ausstellung Arbeiten zeitgenössischer Künstler gegenübergestellt, die zeigen sollen, das Tizian, einer der bedeutendsten Maler der venezianischen Hochrenaissance, bis heute eine Inspirationsquelle darstellt.
In einer einzigartigen Kooperation haben u. a. die drei zeitgenössische britische Künstler Chris Ofili, Conrad Shawcross und Mark Wallinger das Bühnenbild und die Kostüme für drei neue, durch die Gemälde Tizians angeregte,Ballettaufführungen des Royal Opera Houses entworfen. Die zu großen Teilen eigens für diese Ausstellung in Auftrag gegebenen multimedialen Werke entstanden in Zusammenarbeit mit Dichtern, Komponisten und Choreographen.
Wenn Sie nun selbst von Tizian inspiriert werden möchten, empfehlen wir Ihnen neben dem Besuch der Ausstellung „Metamorphosis: Tizian 2012“, die noch bis zum 23. September 2012 in der Londoner National Gallery zu sehen ist, das im Parkstone Verlag erschienene großformatige Buch Tizian, das mit vielen qualitativ hochwertigen Abbildungen eine hervorragende Inspirationsquelle darstellt.
-C. Schmidt
Er erklärte das weiß-blaue Ringelshirt zu High-Fashion und trotzt mit seiner Mode allen geschlechterspezifischen Rollenbildern – Jean Paul Gaultier, der vor drei Monaten seinen 40sten Geburtstag feierte, ist heute einer der berühmtesten Modeschöpfer der Welt.
Und es ist kaum zu glauben, dass der in einem Pariser Vorort geborene Sohn eines Buchhalters und einer Kassiererin eine derart steile Karriereleiter erklommen konnte, ohne eine spezielle Ausbildung zu absolvieren und heute sein eigenes Haute-Couture-Modeunternehmen führt.
Bereits als Kind entwarf er Anziehsachen fürseinen Teddybären, der auch heute noch sein ständiger Begleiter und Glücksbringer ist. Nachdem er seine Modeskizzen an die verschiedensten Modeschöpfer geschickt hatte, wurde er mit 18 Jahren der Assistent von Pierre Cardin und assistierte in den darauf folgenden Jahren weiteren bekannten Designern wie Jean Patou, Michel Goma und Angelo Tarlazzi. Mit 25 Jahren, im Jahr 1976, brachte Gaultier seine erste eigene Prêt-à-Porter-Kollektion auf den Modemarkt, 1997 gründete er sein nach ihm benanntesModelabel und entwirft heute Mode, Parfüm und Accessoires für FrauenundMänner.


In seiner Mode reflektiert er nicht nur seine Umwelt, sondern auch sich selbst. Der Designer steht offen zu seiner Homosexualität und spielt – nicht ohne Provokation – mit den Geschlechterklischees, indem er androgyne Schnitte für Frauen und Röcke für Männer entwirft oder ganze Kollektionen als Unisex-Design erklärt. In den Jahren 1987 und 1988 wurde ihm für seine Kollektionen zwei Mal hintereinander der „Oscar der Mode“ verliehen. Und nicht nur seine Mode kann gleichermaßen von Frauen und Männern getragen werden, seit 2005 gibt es auch das von ihm entworfene Unisex-Parfüm „Fragrance forhumanity“. Mit seinen Kreationen durchbricht Gaultier die Mauer zwischen typisch weiblich und typisch männlich und zeigt, dass die Faszination für Mode und der damit verbundene Wunsch nach Attraktivität unisexuell sind und zum Menschsein einfach dazugehört.
Das Fine Arts Museums of San Francisco zeigt in der Ausstellung „The Fashion World of Jean Paul Gaultier: From the Sidewalk to the Catwalk” noch bis zum 19. August eine große multimediale Auswahl von Kreationen des französischen Designers: 140Haute-Couture und Prêt-à-porter-Designs, zahlreiche Skizzen, Modefotos, Archivdokumente und Videoclips mitFilmemachern, Choreografen und Musikern.
Und wenn Ihnen für den Besuch der Ausstellung oder für Ihre neueste Errungenschaft von Jean Paul Gaultier noch die passenden Schuhe fehlen sollten, empfehlen wir Ihnen zur tiefer gehenden Information das kürzlich im Parkstone-Verlag erschienene E-Book Schuhe.
-C. Schmidt
Wer den Namen Edvard Munch hört, mag wohl zuerst an eine Landschaft aus Blau und Rot denken, in der sich eine Brücke diagonal in den Bildhintergrund verjüngt. Zwei Personen sind am Ende der Brücke nur schemenhaft zu erkennen und im Vordergrund zeigt sich dem Betrachter eine scheinbar verzeichnete Figur, die Hände an den Wangen, mit weit aufgerissenem Mund und Augen. Der Schrei, so laut und doch stumm, hat es nicht zuletzt aufgrund des Diebstahls 2006 oder dem mit einem dreistelligen Millionenbetrag höchsten je erzielten Auktionsergebnis im Frühjahr 2012 auf die Bestsellerliste geschafft.
Aber Munch ist so viel mehr als ein Symbolist mit pessimistischer Lebensphilosophie, seine Bilder sind so viel mehr als reine „Stimmungsbilder“. Er ist einer der großen Wegbereiter des Expressionismus, Inspiration in der Art und Weise, wie er den Raum in Farbflächen auflöst. In seinen dynamischen Bildkompositionen wird die Perspektive von wenigen Linien suggeriert, Farben scheinen zu fließen und Figuren bewegen sich auf den Betrachter zu.
Motive wiederholen sich, werden zu Varianten und verselbstständigen sich schließlich. Auch Zeichnungen, Grafiken, Lithografien und Fotoarbeiten kennzeichnen das umfangreiche Werk des Norwegers. Selbstporträts aus allen Medien entwickelten sich bewusst zu einer visuellen Biografie.
Und die Tate Modern London verspricht noch viel mehr in ihrer aktuellen Ausstellung Edvard Munch, The Modern Eye, die Sie noch bis zum 14. Oktober 2012 besuchen können. Oder überzeugen Sie sich mit dem Buch des Parkstone-Verlages als Print- oder E-Book- Ausgabe davon, dass Edvard Munch mehr als nur ein „pessimistischer Stimmungsmaler“ ist.
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